"Kirbele (Scandix Cerefolium). Die Gartenkerbel ist trockener Natur, aber mehr warm als kalt; sie wächst weder durch kalte Luft, noch
durch kräftige Luft, noch durch kräftige Feuchtigkeit des Bodens, sondern in einer schwächlichen Atmosphäre, bevor die Sonnenwärme
fruchtbringend ist. Ihr Genuss bringt dem Menschen weder Nutzen noch Schaden, ausser dass sie Eingeweidewunden heilt. Dazu stampfe
man die Kerbel, gebe den ausgepressten Saft zu Wein und lasse diesen Trank öfter nehmen. ... Gegen Milzschmerzen, entstanden durch den
Genuss roher Speisen, mache man eine Würze aus Cerefolium, etwas Dill und Weizenbrot in Essig und nehme öfters davon;
nachher mache man einen warmen Umschlag aus Leinsamen. Gegen allerlei Geschwüre und Krätze nehme man Cerefolium, dreimal soviel
Polypodium und fünfmal soviel Alant, koche diese in Wasser, presse ab und gebe zur Colatur in einem Tiegel etwas frischen Weihrauch
und Schwefel, und viel mehr frisches Schweineschmalz als jenes zusammen, durch Eindampfen über dem Feuer mache man eine dickliche Salbe,
welche auf die Geschwüre fünf Tage hintereinander aufgelegt wird. Hinterher reinige man die Haut durch ein Bad."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)