"Cassia fistula
"In dem Arzneyvorrath sind von der Cassia Fistula die Früchte unter dem Namen Röhrencassie, Cassia Fistula s. fistularis, aufgenommen worden. Man unterscheidet die orientalische und occidentalische
Cassie, und es scheint fast, als ob selbst das in Westindien vorkommende Gewächs von dem in Ostindien
einheimischen verschieden seyn konnte. ...
Die Früchte sind stielrunde, ziemlich gerade, holzige, nussbraune Hülsen, von einem
bis zwey Fuß Länge bey einer Dicke von ungefähr einem Zoll. Inwendig sind sie durch sehr viele Querscheidewände
in Fächer abgetheilt, deren jedes einen zusammengedrückten, ochergelb - haarbraunen,
glänzenden Samen,
in einem weichen, schwarzen, süßen Muse liegend, enthält. Von der orientalischen Cassie hält
man die levantische, welche aus Cambaja, Canonor und andern Orten Indiens in dickem Hülsen zu uns
kommt, für die beste. Die alexandrinische oder ägyptische, welche unreif gesammelt wird und dünner
ist, steht jener nach. Von der occidentalischen , die im Allgemeinen für viel schlechter gehalten wird —
nach Bernhardi und Bucholz jedoch mehr purgirend als die orientalische seyn soll — ist die von den Antillen,
welche dort so häufig vorkommt, dass man die Schiffe als Ballast damit beladet, die beste. Die brasilische,
die sehr lang und dick ist, soll nicht purgirend seyn. Eine gute Cassie muss schwer, glatt und
inwendig mit einem noch weichen, süßen Muse erfüllt seyn.
In dem Muse fand Vauquelin, außer dem Zellgewebe, Kleber, Gallerte, Extractivstoff, Schleim und
Zucker. Durch Auflösen in heißem Wasser, Durchschlagen und gelindes Eindicken erhält man erst das Cassienmus,
Pulpa Cassiae, welches als Arzneymittel bekannt geworden ist. Vermöge des vielen Zuckers, verbunden
mit schleimigen Theilen, ist die Pulpa Cassiae gelinde abführend und auch zugleich ein Brustmittel."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Neunter Band. 1825)