"Kardamomen (Cardamom): Man versteht unter Kardamomen die Kapselfrüchte von Elettaria cardamomum, einer v.a. in Südindien und auf Sri Lanka kultivierten Staude. Handelsprodukt sind die Früchte; verwendet werden hingegen die Samen. Man belässt sie bis zur Verwendung in den Kapseln; die Kapselwand schützt die Samenschale vor Verletzungen und stellt einen Verdunstungsschutz für das ätherische Öl dar, das im Samen peripher lokalisiert ist. Überdies sind Verfälschungen durch qualitativ minderwertige Kardamomen, beispielsweise durch die Früchte von Elettaria major (lange Kardamomen) oder Amomum aromaticum (Bengalkardamomen) leichter zu erkennen, solange die intakten Früchte vorliegen.
Kardamomen haben einen charakteristischen, als sehr angenehm empfundenen Geruch. Sie schmecken süßlich, kräftig würzend und etwas brennend. Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl (in den SAmen 2-8%) und Reseverstoffe, wie Stärke (22-40%) und fettes Öl (etwa 4%).
Die Droge ist Bestandteil von Gewürzmischungen für Backwaren (Lebkuchen, Gewürzplätzchen), Wurstwaren, Curry sowie in der Likörindustrie (Angostura, Chartreuse, Goldwasser u.a.m.). Pharmazeutisch zur Herstellung einer Tinktur, die hptsl. als Geschmackskorrigens verwendet wird (Tinctura aromatica DAB 6); Bestandteil von industriell hergestellten Magentonika. Appetitangregend und karminativ; regt den Speichelfluss an; soll aphrodisisch wirken. Wird in Saudiarabien dem Kaffee bis 50% zugefügt. Kardamomensamen sind nützlich als Mundgeruchsdesodorans; langsames, etwa 4 min langes Kauen von 3-4 Kernen kaschiert beispielsweise den unangenehmen Knoblauchgeruch nach Verzehr knoblauchartiger Gerichte."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)