"Karaya-Gummi (Sterculia-Gummi, indischer Tragant): Ein dem Astragalus-Tragant sehr ähnliches Produkt wird als Sterculia-Tragant angeboten. Man gewinnt indischen Tragant von verschiedenen Sterculia-Arten, hauptsächlich wohl von Sterculia urens. Zur Gewinnung werden im tropischen Asien während der trockenen Jahreszeit von Oktober bis Januar und April bis Juni die äußeren Teile des Stammes durch einen flachen handgroßen Schnitt entfernt. Es tritt ein dickflüssiger Schleim aus, der am Stamm zu Klumpen, Tränen oder wurmförmigen Stücken eintrocknet und gesammelt wird.
Die Droge besteht aus grauweißen, bisweilen rötlichbraunen Stücken, die einen deutlichen Geruch nach Essigsäure erkennen lassen. Die pulversisierte Droge ist ein weiß bis braungelb gefärbtes Pulver, das einen Mindestgehalt von 10% flüchtigen Säuren (berechnet als Essigsäure) aufweisen soll. Gegenüber Wasser verhält sich Karaya-Gummi ähnlich wie Astragalus-Tragant: eine etwa 10%ige Lösung quillt zu einer homogenen, klebrigen, gelatinösen Masse auf. Unterschiede sind quantitativer Natur, beispielsweise ist die Löslichkeit in Wasser geringer; auch wird das Quellvermögen durch Ethanolzusatz weniger stark beeinflusst.
Karaya-Gummi wird in der Medizin als Füllperistaltikum. Die Droge ist unverdaulich, sie bindet auch im alkalischen Milieu des Darmes Wasser an sich und regt durch den Füllungsdruck die Peristaltik an. Ihrer wasserentziehenden Eigenschaften wegen ist sie aber auch als Antidiarrhoikum brauchbar. Ihr KLebevermögen wird bei der Herstellung von Beuteln zur Kolostomie- und Ileastomieversorgung ausgenutzt; ferner als Haftpulver für Zahnprothesen.
In der kosmetischen Industrie als Gel oder Lotion zur Haarfixierung. Für viele andere Zwecke ist Karaya-Gummi weniger gut geeignet als Astragalus-Tragant, da durch Alterung die Viskosität abnimmt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)