"[II.204. - Kapper] - Capparis spinosa (Caparidaceae) - Runde, Gemeine Kapper
Die Kapper [Einige nennen sie Kynosbatos, Andere Kapria, Rabenapfel, Ophioskorodon, Phyllostaphylos, Thallia, Petraia, Holophyton, Ionites, Oligochloron, Akoniton, Hippomanes, Trichomanes, die Propheten Potera, auch Peuteron, Herz des Luchses, Haloskorodon, Krinon, Thlaspis, die Römer persischen Senf, auch Inturis, die Afrikaner Herbiaiathum] ist ein dorniger Straurh, kreisförmig über die Erde sich ausbreitend, mit widerhakigen Dornen, wie beim Brombeer. Sie hat runde, denen der Quitte ähnliche Blätter, eine Frucht wie der Ölbaum, welche beim Aufspringen eine weiße Blüte zum Vorschein bringt. Wenn diese abgefallen ist, findet sich etwas Längliches wie eine Eichel vor, welches geöffnet kleine rote Körner enthält wie die Granate. Sie hat große, sehr zahlreiche holzige Wurzeln und wächst gewöhnlich an rauen, mageren Stellen, auf Inseln und Baustellen. Ihr Stengel und die Frucht werden zur Speise eingemacht. Sie regt den Bauch auf, ist dem Magen zuwider und macht Durst. Gekocht verspeist ist sie dem Magen bekömmlicher als roh. Ihre Frucht, in der Gabe von 2 Drachmen mit Wein vierzig Tage lang getrunken, erweicht die Milz; sie treibt den Harn und bewirkt blutigen Stuhlgang. Der Genuss der Frucht hilft bei Ischias und Paralyse, bei inneren Rupturen und Krämpfen. Sie befördert die Katamenien und führt den Schleim ab. Auch Zahnschmerzen lindert die Frucht, wenn sie mit Essig gekocht und als Mundwasser gebraucht wird. Die trockene Rinde der Wurzel dient nicht allein den vorerwähnten Zwecken, sondern sie reinigt auch jedes alte, schmutzige und verhärtete Geschwür. Bei Milzsucht wird sie mit roher Gerstengrütze umgeschlagen. Zerbissen und gekaut hilft sie gegen Zahnschmerz. Mit Essig fein gerieben vertreibt sie weiße Flecken. Die Blätter und die Wurzel, zerstoßen, verteilen Verhärtungen und Drüsen am Halse. Würmer in den Ohren tötet der eingetröpfelte Saft. Die libysche Kapper nun, welche bei den Marmariden wächst, blüht stark auf; die in Apulien erweist sich brechenerregend; die vom Rothen Meere und aus Libyen ist die schärfste, sie macht Blasen im Munde und verzehrt das Zahnfleisch bis auf die Knochen, deshalb ist sie zum Essen untauglich."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)