"Kampfer (Campher): Kampfer stellt ein kristallines Pulver dar oder besteht aus farblosen Stücken, die eigenartig durchdringend riechen und einen zunächst scharf brennenden, später kühlenden Geschmack aufweisen. Das Arzneibuch lässt sowohl den rechtsdrehenden Campher, als auch den synthetischen zu. Der natürliche Campher stellt eine Teilfraktion - und zwar den bei Zimmertemperatur festen Anteil - des aus Cinnamomum camphora destillierten ätherischen Öls dar.
Cinnamomum camphora ist ein bis 40 m hoher Baum mit immergrünen, ledrigen und aromatisch duftenden Blättern. Beheimatet ist er in den Küstengebieten Ostasiens. Führend in der Erzeugung von Naturkampfer ist Formosa, gefolgt von Japan mit seinen Kampferbaumbeständen auf Kyushu, der südlichsten der japanischen Inseln. Der Kampfer ist in den Ölzellen sämtlicher Organe des Baums enthalten, jedoch in jungen Zweigen zunächst nur in geringen Mengen; mit zunehmendem Alter der Organe verändert sich die Zusammensetzung des Öls, und zwar bildet sich immer mehr Kampfer auf Kosten anderer Ölbestandteile. Wirtschaftlich zur technischen Gewinnung lohnend ist nur das Holz von Stamm und Wurzeln alter (50-60 Jahre) Bäume. Man fällt die Bäume, zerkleiunert das Holz und unterwirft es der Wasserdampfdestillation. Aus dem Öl scheidet sich ein Teil des Kampfers unmittelbar aus; ein weiterer Anteil fällt bei der fraktionierten Destillation des Restöls an.
Die Droge ist ein kristallines Pulver oder bildet farblose, durchscheinende Kristalle mit einem charakteristischen durchdringenden, etwas minzigen Geruch. Der Geschmack ist scharf brennend, hinterher kühlend und gefolgt von Salivation. Äußerlich auf der Haut wirkt Kampfer unterschiedlich, je nachdem in welcher Konzentration appliziert wird. Im Konzentrationsbereich von 0,1-0,3% hemmt Kampfer deie Hautrezeptoren; er kann daher zu lokal-analgetischen, lokal-anästhetischen und antipruriginösen Rezepturen verwendet werden. Die Anwendungshäufigkeit sollte 4mal täglich nicht überschreiten. Reibt man Kampfer enthaltende Externa, deren Kampferkonzentration >3% beträgt, in die Haut ein, so bringt er, auch auf intakter Haut, Rötung und Reizung hervor, die sich bei längerer Anwendung zur Entzündung steigert. Kampfermonopräparate, wie der Kampferspiritus (Kampfergeist), das Kampferöl und die Kampfersalbe, weisen einen Kampfergehalt von 10% auf, stellen folglich Hautreizmittel dar. Kampfer ist Bestandteil von Kombinationspräparaten zum Einreiben in die Haut: bei Neuralgien, Myalgien, Prellungen, Hexenschuss und rheumatischen Schmerzen. Befriedigende Studien über die schmerzlindernde Wirkung bei den genannten Beschwerden liegen nicht vor.
Kampfer ist eine giftige Substanz: 1 g (oral) gilt als minimale Lethaldosis für Kleinkinder; für Erwachsene dürfte sie bei 20g liegen. Kampferhaltige Erkältungsbalsame sollten auf den Beipackzetteln Hinweise enthalten, damit die Eltern von Kleinkindern auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Säuglinge dürfen nicht mit kampferhaltigen Salben behandelt werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)