Camphora officinarum (Cinnamomum camphora)
"Man bereitet in China und Japan aus allen Theilen des Baumes den Kampher, indem man sie
zerkleinert und in einem eisernen, oben mit Binsen- oder Reis-Stroh gefüllten Kolben thut, mit
Wasser übergießt und das Wasser längere Zeit sieden lässt, worauf sich der Kampher sublimirt
und an das Stroh ansetzt. Durch diesen Prozess erhält man den Rohkampher (Camphora cruda)
in Form graulicher, öligfeuchter, mehr oder weniger unreiner Körnchen, die nach Europa gebracht
und mit Kalk oder Kreide einer nochmaligen Sublimation unterworfen werden, um aus ihnen den
raffinirten, für den Gebrauch geeigneten Kampher zu bekommen. Der raffinirte Kampher kommt
in runden, 1 — 2 Pfund schweren Broden vor, verbreitet einen starken durchdringenden eigenthümlichen,
aromatischen Geruch, zeigt ein körniges Gefüge, lässt sich in kleine Stücke zerbröckeln,
aber an und für sich nicht pulverisiren, und schmeckt anfangs scharf und erwärmend, später bitterlich
und kühlend. ...
Der Kampher wurde bereits von den Arabern (aber nicht von den Griechen und Römern) gebraucht,
und gilt mit Recht als eins der kräftigsten, selbst unentbehrlichsten Heilmittel.
Innerlich wirkt er in kleinen Gaben beruhigend, in größern reizend und belebend auf das
Nervensystem, reizend auf das Gefäßsystem und diaphoretisch, die Resorbtion befördernd und antiseptisch;
überdies stimmt er die Gcschlechtsthätigkeit auf eigenthümliche Weise herab, und ist
wurmwidrig. Aeußerlich angewendet wirkt er autiseptisch, gelind reizend, und befördert die Resorbtion.
Innerlich gebraucht man ihn in Pulverform, am besten mit Pulv. gummosus zu 1 — 5 Gran
p. d. (nur mit Vorsicht in größeren Gaben); häufig wird er in Emulsionen, Pillen und Auflösungen
(z. B. in Aether und Essig), seltener in Bissen benutzt. Aeußerlich bedient man sich seiner
zu Räucherungen, Riechmitteln, Dunstmitteln, Kräuterkissen, Einstreupulvern, Augenpulvern, Linimenten,
Pflastern, Salben, Kataplasmen, Injectionen, Klystiren, Pinselsäften, Augenwassern , Fomentationen,
Verbandwässern, Bädern und Waschungen. Man wendet ihn innerlich gegen Nervenfieber
mit dem Charakter torpider Schwäche, gegen manche Formen von Lungenentzündung, akute
Hautausschläge mit nervösem oder fauligem Charakter, akute Rheumatismen, Gicht, Krämpfe, Gemüthskrankheiten
mit abnormer Aufregung des Geschlechlstriebes, Brand, Erfrierungen, schwarzen
Staar, Schwäche der Gcschlechtstheile, bei Pollutionen, anfangender Rückendarre u. s. f., an,
äußerlich braucht man ihn bei Verhärtungen, Extravasaten, Exsudaten, Schwäche der Geschlechlstheile
u. s. f."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)