"[II.140. - Ampfer] - Rumex spec. (Polygonaceae) - Ampferarten
Der Ampfer; eine Art desselben heisst Oxylapathon, weiche in Sümpfen
wächst, sie ist nach oben zu hart und etwas spitz; die andere Art, der Gartenampfer, ist dem ersten nicht ähnlich. Eine dritte ist die wilde, sie ist klein,
dem Wegerich ziemlich ähnlich, weich und niedrig. Es gibt aber noch eine
vierte Art, welche Einige Oxalis oder Anaxyris, auch Lapathon nennen;
deren Blätter sind denen des wilden und kleinen Ampfers ähnlich, der
Stengel ist nicht gross, die Frucht etwas sauer, roth, scharf und befindet
sich oben am Stengel und an den Seitenschössen. Das von allen gekochte
Gemüse erweicht den Bauch. Roh mit Rosensalbe oder Safran als Umschlag
zertheilt er bösen Kopfausschlag. Der Same vom wilden, von Lapathum
oder Oxalis wird mit Wasser oder Wein vortheilhaft gegen Dysenterie,
krankhafte Verdauungszustände, Uebelkeit aus dem Magen und gegen
Skorpionstich getrunken, und wenn Jemand. ihn vorher nimmt, hat er
vom Stich nichts zu fürchten. Die Wurzeln mit Essig gekocht, auch
roh als Umschlag heilen Aussatz, Flechten und schuppige Nägel, man
muss die Stelle aber vorher in der Sonne mit Natron und Essig einreiben. Die Abkochung davon als Aufguss oder als Zusatz zum Bade
beruhigt auch das Jucken. Sie beschwichtigen in Wein gekocht als
Mundwasser Ohren- und Zahnschmerzen, sie zertheilen Drüsen am Halse
und neben den Ohren als Umschlag, wenn sie mit Wein gekocht werden,
wenn mit Essig (sind sie gut für) die Milz. Einige wenden die Wurzeln
auch als Amulett gegen Drüsen an, indem sie dieselben um den Hals
binden. Fein gestossen als Zäpfchen eingelegt stellen sie den Fluss der
Frauen. Mit Wein gekocht und getrunken heilen sie vollständig die Gelbsucht, zertrümmern den Stein in der Blase, befördern die Menstruation
und helfen gegen den Bisse des Skorpions."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)