"Matricin: Matricin kommt in Kamillenblüten vor und kann daraus durch Extraktion mit Chloroform und weitere Reinigung des Extrakts gewonnen werden. Es handelt sich um farblose Kristalle, die zersetzt mit Wasserdampf flüchtig sind. Matricin gehört zu den Azulenbildnern, worunter man Stoffe versteht, die unter milden Bedingungen in Auzulene (tiefblau gefärbte Sesquiterpenkohlenwasserstoffe) übergehen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Sesquiterpene in Kamillenblüten: Kamillenblüten werden vielfach zu den Drogen gezählt, welche Kontaktdermatitiden auslösen können. Dies ist nur dann richtig, wenn die echte Kamille mit Blüten von Anthemis cotula (Hundskamille) verfälscht sind. Diese enthalten bis zu 1,8% Anthecotulid, das sich als starkes Allergen erwies."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Kamillenblüten: Die Droge besteht aus den getrockneten Blütenköpfchen von Chamomilla recutita (syn. Matricaria chamomilla). Der Geruch ist angenehm mit der Geruchsnote süß-krautig und fruchtig. Der Geschmack ist aromatisch und schwach bitter. Die für das charakteristische Aroma der Kamille verantwortlichen Bestandteile sind bisher nicht bekannt. Daher kann das Kamillenaroma durch Synthetika nicht simuliert werden.
In der Lebensmittelindustrie wird die Droge zur Herstellung von Teepräparaten, heute vorzugsweise in Aufgussbeuteln, als tägliches Getränk anstelle von schwarzem Tee oder Kaffee, verwendet. In der Kosmetikindustrie finden Kamillenblüten Anwendung zur Herstellung öliger Extrakte (Hautöle). Ferner sind sie Rohstoff zur Herstellung des ätherischen Kamillenöls, einer Tinktur und eines Fluidextrakts.
Die ätherischen Öle Chamazulen und Bisabolol wirken antiphlogistisch; allerdings ist die maximale Wirkungsstärke eher gering. Apigenin und verwandte Flavone zeigen eine papaverinähnliche spasmolytische Wirkung. Auch wässrige Kamillenauszüge zeigen spasmolytische Aktivität. Mit der Mehrzahl der ätherischen Öle teilt das Kamillenöl die Eigenschaft, antibakteriell wirksam zu sein.
Die Droge wirkt innerlich als Tee bei Magengeschwüren, akuter Gastritis, verdorbenem Magen, dyspeptischen Beschwerden, Blähungen und Leibschmerzen als Karminativum und Spasmolytikum. Das angenehme Aroma macht die Kamille zu einem ausgezeichneten Desodorans. Dazu kommt, dass ihr lokal haut- und schleimhautreizende Eigenschaften abgehen. Kamillenblüten, oder besser Kamillenextrakt, sind nützlich als Badezusatz im Rahmen der BEhandlung von Dekubitusgeschwüren und anderen nekrotisierenden Entzündungen, die mit Geruchsbelästigung einhergehen. In der Zahnmedizin zu Mundbädern bei Läsionen der Mundschleimhaut, bei rezidivierenden Aphthen, bei Gingivitis sowie bei Stomatis ulcerosa; auch bei üblem Mundgeruch. Zu Inhalation oder als Kamillendampfbad bei Entzündungen der Nase und der Nebenhöhlen.
Ein Mundbad wird wie folgt ausgeführt: einen Schluck voll der wässrigen Lösung in den Mund nehmen, 20 sek lang bei geschlossenem Mund die Lösung kräftig durch die Zähne drücken. Auch kann man den Kopf nach hinten neigen und die Lösung möglichst weit nach hinten laufen lassen, ohne zu gurgeln. Ausspucken und einen neuen Schluck nehmen.
Wenn die Droge selbst verwendet wird - z.B. bei der Kamillendampfbad-Behandlung - kann es bei Patienten mit Pollenallergie zu allergischen ERscheinungen kommen. Kranke mit chronischen Atemwegserkrankungen können eine unspezifische Hyperreagibilität der Bronchialwege zeigen, sodass sich die Ventilationswerte verschlechtern. Auftreten von Kontaktallergie durch Kamille gehört zu den großen Seltenheiten."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)