Kamille w, Matricaria, Gattung der Korbblütler mit 5 (früher über 50, heute aber großenteils auf verschiedene Gattungen aufgeteilten), in Eurasien beheimateten Arten. Einjährige Kräuter mit ästigem Stengel, 2–3fach fiederteiligen Blättern und meist zahlreichen, in der Regel spreublattlosen Blütenköpfen. Diese besitzen röhrige, gelbe Scheiben- sowie zungenförmige weiße Strahlenblüten und ähneln denen der Hundskamille (Anthemis; mit Spreublättern) und der Wucherblume (Chrysanthemum), weswegen eine Abgrenzung der Kamille gegenüber diesen Gattungen oft schwerfällt.
Bekannteste Art der Kamille ist die ursprünglich in Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien heimische, seit Jahrhunderten in Mitteleuropa kultivierte und vielerorts eingebürgerte Echte Kamille (Matricaria chamomilla, syn. Matricaria recutita). Sie wächst in Getreidefeldern, an Wegen und Schuttplätzen und zeichnet sich aus durch stark aromatischen Duft sowie 1–3 cm breite Köpfchen mit kegelförmigem, hohlem Blütenboden und bald nach dem Erblühen herabgeschlagenen Randblüten.
Die Echte Kamille ist eine seit der Antike bekannte und geschätzte Heilpflanze. Ihre getrockneten Blütenköpfe enthalten neben Terpenen, Glykosiden, Cumarinderivaten, Flavonoiden, Bitterstoffen, Chamillin, Harz und Schleimstoff vor allem das etherische Kamillenöl, dessen Inhaltsstoffe (Azulene, (–)α-Bisabolol) hauptsächlich für die pharmakologische Wirkung der Kamille verantwortlich sind. Auszüge aus Kamillenblüten werden sowohl innerlich (z.B. als Tee) als auch äußerlich (in Form von (Dampf-)Bädern, Spülungen oder Umschlägen) verwendet, um Wunden zu heilen oder Haut- und Schleimhautentzündungen (etwa im Mund- und Rachenraum oder im Magen-Darm-Bereich) zu behandeln.