"Ueber die Bestimmung des wohlriechenden Schönos
kann wohl nicht leicht Streit entstehen, wenn man annimmt,
dass die hippokratische Pflanze einerlei ist mit
dem Schönos des Dioscorides. Nach des letzteren Angabe
wächst er in Afrika und in Arabien, ersterer aber
ist geringer und dem arabischen weit nachzusetzen. Die
getrocknete Pflanze soll roth seyn , viele Blumen haben,
zerrieben einen angenehmen Geruch nach Rosen von
sich geben, und einen etwas beißenden Geschmack haben.
Dieses alles passt genau auf das sogenannte Kamelheu,
Andropogon Schoenanthus L. welches
nach Garzias so häufig in Arabien wächst, dass man
die Kamele damit füttert. — Vor einem Jahrhunderte
noch wurde in deutschen Officinen diese aromatische
Pflanze aufbewahrt, welche freilich einen großen Theil
ihrer Kräfte durch das Trocknen verloren haben mochte,
und bei dem großen Vorrathe anderer aromatischer
Mittel leicht entbehrt werden kann.
Da das Gewächs nebst seinen gewürzhaften Bestandtheilen
auch zugleich etwas adstringirend ist, so gebrauchten
es die Hippokratiher innerlich zum Trank bei Mutterblutflüssen; sonst diente es zu Bähungen mit Kalmus,
Kardamomen und andern aromatischen Mitteln , zu Mutterklistieren , zum Beräuchern . Bei heftigen
krampfhaften Mutterbeschwerden infundirte man die
Blumen mit Oehl , welches zu warmen Bähungen verwendet
wurde."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)