"Kalmuswurzel: Ausgangsmaterial ist das getrocknete Rhizom von Acorus calamus var. americanus oder A. calamus var. vulgaris. Die amerikanische Varität ist diploid und enthält kein toxisch bedenkliches β-Asaron. Die europäische Version ist triploid; ihr Asarongehalt beträgt durchschnittlich 0,3%. Pharmazeutisch nicht verwenden sollte man die beiden tetraploiden Varietäten var. angustatus und var. verus, da der β-Asaron-GEhalt bis 8% betragen kann.
Die ausgegrabenen Rhizome werden vor dem Trocknen geschält, die größeren Stücke der Länge nach gespalten. Für die äußere Anwendung in Bädern kann man die billigere, ungeschälte Ware verwenden. Während des Trocknens bei mäßigen Temperaturen verliert das Rhizom etwa 75% an Gewicht und der Durchmesser schrumpft auf die Hälfte zusammen. Der aromatische Geruch und der würzig-bittere Geschmack verbessern sich im Zuge des Verfahrens.
Inhaltsstoffe: Die Arzneibücher betrachten den Gehalt an ätherischem Öl (1-3,5%) als wertbestimmend. Neben Monoterpenen, wie Myrcen und Kampfer, enthält das Öl zahlreiche Sesquiterpene (Caryophyllen, Humulen, Guajen, ar-Curcumen, Cadinen und Selinen). Das ätherische Kalmusöl ist auch als solches Handelsobjekt. Es weist eine holzig-würzige Geruchsnote auf, weshalb es in der Parfümerie zu Kompositionen mit würzigen Noten sowie von Tabaknoten herangezogen wird. Der bittere Geschmack beruht einerseits auf dem Vorkommen des Acorons und seiner Isomeren, andererseits auf dem bitteren Glykosid Acorin (0,2%). Zum Geschmack wässriger oder wässrig-alkoholischer Zubereitungen tragen tanninartige Gerbstoffe (0,6-1%) bei.
Kalmuswurzel wird zu Tinkturen, Fluid- und Trockenextrakten, auch zu Sprühextrakten für Instant-Tees verarbeitet. Die Extrakte sind Bestandteile von fertigen Kombinationspräparaten, die als Magen-Darm-Mittel oder Cholagoga deklariert sind. Kalmus-Zubereitungen regen auf Grund ihres Gehalts an Bitterstoffen und ätherischem Öl reflektorisch die Magensaftsekretion (vermutlich auch die Gallensekretion) an. Innerlich angewendet helfen sie bei dyspeptischen Beschwerden funktioneller Natur. Äußerlich finden sie Verwendung als Mund- und Gurgelwässer. In der Veterinärmedizin wird die Droge bei Fressunlust und Verdauungsschwäche verwendet.
Chronische Toxizitätsprüfungen and der Ratte mit β-Asaron reichem Kalmusöl führten nach einer Applikationsdauer von 60 Wochen zu Tumoren im Zwölffingerdarmbereich. Daher wurde in den USA die Verwendung von Kalmus (auch asaronfreiem) untersagt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)