"[I.2. - Akoron] - Acorus calamus (Araceae) - Gewürzhafter Kalmus
Das Akoron [Einige nennen es Choros aphrodisias, die Römer Venerea,
auch Radix nautica, die Gallier Peperacium] hat Blätter denen der Schwertlilie ähnlich, aber schmaler, und ihr nicht unähnliche Wurzeln, die aber mit
einander verflochten und nicht gerade gewachsen sind, sondern schief, zu Tage
treten und durch Absätze unterbrochen sind, weisslich, mit scharfen Geschmack
und nicht unangenehmem Geruch. Den Vorzug verdient das dichte und weisse,
nicht (von den Würmern) zerfressene und duftreiche. Ein solches ist das,
welches in Kolchis und Galatien Splenion genannt wird. Die Wurzel
hat erwärmende Kraft. Eine Abkochung davon getrunken treibt den
Harn, ist auch ein gutes Mittel bei Lungen-, Brust- und Leberleiden, bei
Leibschneiden, Zerreissungen und Krämpfen. Sie erweicht die Milz,
hilft den an Harnzwang Leidenden und den von giftigen Thieren Gebissenen, und eignet sich wie die Schwertlilie zu Sitzbädern bei Frauenkrankheiten. Der Saft der Wurzel vertreibt die Verdunkelungen auf der
Pupille; mit Vortheil wird aber auch die Wurzel den Gegengiften zugemischt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.17. - Kalmus] - Calamus aromaticus
Der gewürzhafte Kalmus wächst in Indien; als schönster ist derselbe rötlich, dicht mit Knoten besetzt und beim Brechen vielsplitterig, den Halm angefüllt mit Spinngeweben, weißlich, beim Zerkauen zähe, adstringirend, etwas scharf. Genossen vermag er den Harn zu treiben; darum ist er mit Quecken oder Petersiliensamen gekocht und getrunken Wassersüchtigen, Nieren- kranken, an Harnzwang Leidenden und bei inneren Rupturen wirksam. Die Menstruation befördert er getrunken und in Zäpfchen eingelegt. Den Husten heilt er als Räucherung angezündet sowohl allein als auch mit Terpentinharz, indem der Rauch durch ein Rohr in den Mund gesogen wird. Er wird aber auch zu Sitzbildern für die Frauen abgekocht. Dann wird er auch den Salben und Räucherungen zum Wohlgeruch zugesetzt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.73. - Akoronwein]
Der Wein aus Akoron und Süssholz wird auf gleiche Weise bereitet; man muss nämlich bei jedem 8 Unzen in 6 Chus drei Monate maceriren und den Wein dann umgiessen. Sie wirken gegen Seiten-und Brustschmerzen, treiben auch den Harn."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)