"Physostigmin: Die Droge gewinnt man durch Extraktion aus Kalabarbohnen, das sind die reifen getrockneten Samen von Physostigma venenosum. Der Geschmack des geruchlosen Samenmehls ist süßlich-mehlig. Offizinell ist das Physostigminsalicylat, das sich durch gute Kristallisierbarkeit auszeichnet und kaum hygroskopisch ist. Die farblosen Kristalle sind in Wasser schwer, in Ethanol und Chloroform gut löslich. Die Droge wirkt durch Cholinesterasehemmung parasympathikomimetisch und wird hptsl. örtlich angewendet, wie in der Augenheilkunde zur Pupillenverengung bei Glaukom. Bei längerer Behandlung nimmt die Wirkung ab, weshalb sie zur Dauerbehandlung ungeeignet ist.
Physostigmin gehört zu den starken Giften. Vergiftungen können bereits bei der Verwendung als Augentropfen auftreten, wenn die Lösung über den Tränenkanal in den Nasenrachenraum abfließt. Symptome sind Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen, Zittern der Glieder und beschleunigte Herztätigkeit."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)