"Johanniskraut: Die Droge besteht aus den zur Blütezeit geernteten und anschließend getrockneten Zweigspitzen von Hypericum perforatum. Ihr Geruch ist schwach eigenartig, ihr Geschmack zusammenziehend.
Johanniskraut ist in erster Linie eine adstringierend wirkende Gerbstoffdroge, die ähnlich wie die Ratanhia zum Mundspülen bei Stomatitis und Gingivitis verwendet werden kann. Innerlich (als Infus) verwendet man es bei Störungen des Verdauungstrakts. In Deutschland verarbeitet man Extrakte des Johanniskrauts zu pflanzlichen Mitteln, die über eine "Stimmungsaufhellung" zur unterstützenden Behandlung von nervöser Unruhe und nervös bedingten Schlafstörungen nützlich sein sollen. Allerdings liegen dazu keine pharmakokinetischen Untersuchungsergebnisse vor.
Die Indikationsansprüche der Hypericumpräparate erstrecken sich auf das psychovegetative Syndrom. Mit dem Eintreten einer Besserung sei i. A. erst nach wochen- bis monatelanger Anwendung der Präparate zu rechnen. Bezüglich der Wirksamkeit ist es schwierig, zwischen einer möglichen somatischen und einer psychodynamischen Wirkungskomponente (autosuggestives Element) zu trennen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)