"Irländisches Moos (Carrageen): Das Irländische Moos besteht aus den getrockneten und gebleichten Thalli verschiedener Rotalgen. Die Pharmakopöen nennen als Stammpflanzen die beiden Arten Chondrus crispus und Gigartina stellata. Stabdorte der höchstens handgroßen Rotalgen sind felsige Stellen der Atlantikküsten Europas und Nordamerikas unmittelbar unter dem Ebbespiegel. Früher wurden sie hauptsächlich an den nördlichen Küsten Irlands gesammelt - daher die Bezeichnung Irländisch Moos - und in der irischen Küstenstadt Carragheen versandfertig gemacht.
Die im frischen Zustand an Land gespülten oder zur Ebbezeit abgeernteten Algen sind violett bis grünrot und von gallertartiger, fleischiger Beschaffenheit. Beim wiederholten Waschen und Trocknen (Bleichen) an der Sonne werden sie hellgelb, durchscheinend und knorpelig hornartig.
Die Droge besteht aus Schleimstoffen (etwa 80% Interzellularschleime, hauptsächlich Carrageenane), aus Proteinen und aus mineralischen Bestandteilen. Eine Abkochung von 1 Teil Droge mit 30 Teilen Wasser (10 min lang) liefert eine Gallerte, die beim ERkalten dick wird und fad schmeckt. "
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Irisch-Moos-Extrakt (Carrageenan): Die Gewinnung erfolgt aus getrockneten Rotalgen durch Heißwasserextraktion. Der Extrakt wird von zelluloseartigen Begleitstoffen und von Pflanzenpigmenten durch Filtration über Kieselgur befreit. Aus dem im Vakuum konzentrierten Filtrat wird Carrageenan durch Alkoholzusatz ausgefällt, abgeschleudert und getrocknet. Das Produkt stellt ein mehr oder weniger feines, gelblich-weißes Pulver dar, das nahezu geruchlos ist und schleimig schmeckt. Mit Wasser bildet Carrageenan thixotrope Gele. Durch unterschiedliche Zusätze - neben Ionen verbessern auch Zusätze von Karobengummi oder Guar die Geleigenschaften - lassen sich somit Handelsprodukte mit den jeweiligen Verwendungszwecken angepassten Eigenschaften herstellen.
Carrageenane sind dem mikrobiellen Verderb ausgesetzte Produkte, die daher konserviert werden müssen. Sie werden nach peroraler Zufuhr vom Körper weder verwertet noch resorbiert, was für ihre Anwendung als Lebensmittelzusatzstoffe sowie als Hilfsstoffe in der Pharmazie wichtig ist. Sie gelten nach allgemeiner Erfahrung als unbedenklich, obwohl chronische Toxizitätsprüfungen anscheinend bisher nicht durchgeführt wurden.
Ihre Anwendung in der pharmazeutischen Technologie, in der Nahrungsmittelindustrie und in der kosmetischen Industrie beruht auf ihrer Eigenschaft, Gele zu bilden, die Viskosität von Lösungen zu erhöhen, als Emulgator zu fungieren und Suspensionen stabil zu halten. Beispiele: Herstellung fettfreier Salbengrundlagen, Verdickungsmittel für Lotionen, Klärmittel trüber Flüssigkeiten, Tablettierungshilfe, Zahnpasten, Verdickungsmittel und Stabilisatoren für Milchprodukte.
Therapeutisch wurden Abkochungen der Droge gelegentlich als reizmilderndes Mittel bei Husten und unspezifischen Diarrhöen verwendet."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)