"[IV.22. - Xyris] - Iris foetida (Iridaceae) - Stinkende Schwertlilie
Die Xyris - Einige nennen sie wilde Schwertlilie, Andere Kakos, die Römer Gladiolus, auch Ackerschwertlilie, die Dakier Aprus - Sie hat denen der Schwertlilie ähnliche Blätter, aber breiter und oben spitzig; aus der Mitte der Blätter treibt sie einen ellenlangen ziemlich dicken Steugel, an dem dreieckige Schoten sitzen und über diesen die purpurfarbigen, in der Mitte dunkelrothen Blüthen. Der Saine befindet sich in bohnenähnlichen Säckchen, er ist rund, roth und scharf. Die Wurzel isz vielknotig, lang, feuerroth, wirk- sam bei Wunden des Kopfes und Schädelbrüchen, sie zieht nämlich Knochen und jedes Geschoss ohne Schmerz heraus, wenn sie mit dem dritten Theile Kupferblüthe und dem fünften Theile Tausendgüldenkrautwurzel und hinreichend Honig vermischt wird. Sie heilt auch Oedeme und Geschwülste, wenn sie mit Essig umgeschlagen wird. Mit Rosinenwein zerstossen wird die Wurzel gegen Krämpfe, innere Rupturen und Ischias, wie auch gegen Harnzwang und Durchfall getrunken. Der Same, in der Gabe von 3 Obolen mit Wein getrunken, ist stark harntreibend, mit Essig genommen erweicht er die Milz."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.1. - Iris] - Iris germanica, Iris florentina (Iridaceae) - Deutsche und Florentinische Schwertlilie
Die Iris [die Einen nennen sie die illyrische, die Anderen Thelpide, die himmlische, reinigende, wunderbare, die Römer marica, auch Gladiolus, Opertritos, Consecratrix, die Ägypter Nar ist nach der Ähnlichkeit mit dem Regenbogen benannt. Sie hat der Siegwurz ähnliche Blätter, aber größer, breiter und glänzender. Die Blühen stehen auf Stielen in gleicher Entfernung, sind zurückgebogen, verschiedenartig gefärbt, denn man sieht weiße, blassgelbe, purpurfarbige oder bläuliche, darum wird sie wegen der Farbenverschiedenheit dem Regenbogen am Himmel verglichen. Die Wurzeln darunter sind gegliedert, fest, wohlriechend; dieselben worden abgeschnitten, im Schatten getrocknet und, auf eine Schnur gezogen, aufbewahrt. Die beste ist die illyrische und makedonische, und unter diesen verdient den Vorzug die mit Würzelchen dicht besetzte, hie und da verstümmelte, schwer zu brechende Wurzel, welche von hellgelber Farbe, sehr wohlriechend ist und auf der Zunge brennt, [welche einen reinen Geruch hat und nicht feucht ist], und beim Zerstoßen Niesen erregt.
Die libysche ist geringer an Kraft, hat eine weiße Farbe und bitteren Geschmack. Beim Älterwerden verfallen sie dem Wurmfrasse, werden aber wohlriechender und haben erwärmende Kraft, vertreiben, mit doppelt so viel weißer Nieswurz aufgelegt, Sonnenbrandflecken und Leberflecken. Sie füllen die Geschwüre mit Fleisch aus, verdünnen die schwer auszuwerfenden Flüssigkeiten und benehmen einem verderbenbringenden Mittel die Kraft, wenn sie mit Honigmeth genossen werden. Sie sind aber auch schlafmachend, verursachen Tränen und heilen Leibschneiden. Mit Essig genommen sind sie denen heilsam, die von giftigen Tieren gebissen sind, ebenso auch Milzsüchtigen und denen, die an Krämpfen leiden, die von Kälte und Frostschauern ergriffen sind und denen, die an Samenfluss leiden. Mit Wein genommen, befördern sie die Katamenien, auch ist die Abkochung davon zu Blähungen für Frauen sehr geeignet, indem sie die Stellen erweicht und öffnet. Mit Honig als Paste eingeführt, ziehen sie den Embryo heraus. Sie erweichen auch Drüsen und alte Verhärtungen, wenn sie gekocht umgeschlagen worden. Ferner sind sie wohltuend bei Kopfschmerzen wenn sie mit Essig und Rosensalbe ausgestrichen werden. Endlich werden sie auch den Zäpfchen, Pflastern und Salben zugemischt; überhaupt sind sie zu Vielem nützlich."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.66. - Die Verdichtung des Schwertlilienöls] - Iris germanica, Iris florentina (Iridaceae) - Deutsche und Florentinische Schwertlilie
6 Pfund 5 Unzen möglichst fein zerschnittener Spatha, 73 Pfund 5 Unzen Öl mische mit 10 Kotylen Wasser, gib sie in einen kupfernen Kessel und koche, bis es (das Öl) den Geruch davon angenommen hat, dann colire es in einen mit Honig ausgestrichenen Krug. Mit diesem parfümierten Öl wird das erste Schwertlilienöl bereitet, indem die Schwertlilie mit dem verdichteten Öle macerirt wird, wie es unten angegeben wird, oder so: 70 Pfund 5 Unzen Öl, 5 Pfund 2 Uuzen zerschnittenes Balsamholz, wie berichtet wird, koche zusammen; dann nimm das Balsamholz heraus und wirf 9 Pfund 10 Unzen zerschnittenen Kalmus, ein Stückchen in altem gewürztem Wein zerlassener Myrrhe hinein, dann nimm von dem verdichteten und parfümierten Öle 14 Pfund, macerire darin ein gleiches Gewicht zerschnittener Schwertlilie zwei Tage und Nächte hindurch, dann presse kräftig und stark aus; und wenn du es kräftiger haben willst, so macerire auf gleiche Weise ein zweites und drittes Mal dasselbe Gewicht und presse aus. Als bestes erweist sich dasjenige, welches keinen anderen Geruch als den der Schwertlilie verrät. Ein solches ist das zu Perga in Pamphylien und zu Elis in Achaja hergestellte. Es hat erweichende, erwärmende Kraft, nimmt Wundschorf, Fäulnis und Schmutz weg, ist ein gutes Mittel bei krankhaften Zuständen der Gebärmutter, als Entzündungen und Verstopfungen, treibt den Fötus aus, öffnet die Hämorrhoiden, hilft mit Essig, Raute und bitteren Mandeln gegen Ohrengeräusche und in die Nasenlöcher eingerieben gegen chronischen Katarrh und gegen Nasenpolypen. Zu einem Becher getrunken reinigt es den Bauch, wirkt bei Darmverschlingung und treibt den Harn. Ferner ist es angebracht bei schwer Erbrechenden, indem die Finger oder den Brechreiz bewirkende Gegenstände damit bestrichen werden. (Nützlich ist es) denen, die an Atemnot leiden, wenn es eingerieben oder mit Honigwasser zum Gurgeln gebraucht wird, und bei Rauheit der Luftröhre. Es wird endlich denen gereicht, welche Schierling, Pilze oder Koriander genossen haben."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)