"Strauchsingrün, Vinca major, mit aufrechten Stengeln, eiförmigen Blättern, und gestielten Blumen, ein im südlichen Europa und in der Schweitz auf fettem, feuchtem, aber ungebautem Boden im Schatten einheimisches, zwei Fuß hohes Sträuchelchen, welches in jenen Gegenden fast das ganze Jahr über, in unsern Gärten aber in den Frühlingsmonaten große blaue Blumen trägt.
Dieses fast blos durch eine ansehnlichere Größe vom Bärwinkelsingrün verschiedene, nur gegen die Kälte empfindlichere Kraut (hb. Pervincae latifoliae, s. majoris) besitzt in seinen Blättern eine gleich unangenehme Bitterkeit, die sich vorzüglich im Aufgusse hervorthut, und gleiche Kräfte als der Bärwinkelsingrün, w.s."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)
"Bärwinkelsingrün, Vinca minor L. mit niederliegenden Stengeln, lanzetförmig eirunden Blättern und gestielten Blumen, ist ein mehrjähriges strauchartiges, fußhohes Gewächs, welches an steinichten, schattichten Orten wächst, vom Mai bis Brachmonat gemeiniglich blüht, und seine Blätter im Winter behält.
Die glänzenden, steifen, lorbeerblattförmigen, auf der obern Fläche dunkelgrünen, unten lichtgrünen Blätter haben keinen Geruch, aber einen bitterlich zusammenziehenden Geschmack, und eine Art Säure, indem ihr Saft die blauen Pflanzensäfte röthet. Die Alten haben sie in übermäsigen Ausflüssen mancherlei Art, überhaupt da, wo zu stärken und zusammenzuziehn nöthig schien, selbst in Wechselfiebern gebraucht. Neuere Versuche fehlen. Man sammelt das ganze Kraut (herb. vincae pervincae, herb. pervincae) im Maimonat."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)