"[II.128.- Ägyptische Bohne] - Nymphaeae nelumbo (Nymphaeaceae) - Ägyptische Bohne
Die ägyptische Bohne, welche Einige auch die pontische nennen, kommt am meisten in Ägypten vor, findet sich aber auch in den Teichen Asiens und Kilikens. Sie hat ein großes Blatt, wie ein Schirmhut und einen ellenlangen Stengel von der Dicke eines Fingers, eine rosenrote Blüte, welche doppelt sogroß ist wie die des Mohns. Wenn sie abgeblüht hat, trägt sie sackähnliche Zellen nach Art des Wespennestes, in diesen befindet sich die Bohne, den Deckel ein wenig überragend, wie eine Blase. Sie wird Kiborion oder Kibotion genannt, weil das Pflanzen der Bohne in der Weise geschieht, dass sie in eine feuchte Erdscholle gelegt und so in das Wasser gesenkt wird. Die Wurzel darunter ist dicker als Rohr, sie wird gekocht und roh gegessen und beisst Kolokasia. Aber die Bohne wird auch frisch gegessen. Getrocknet wird sie schwarz und ist größer als die griechische; sie hat adstringierende Kraft und ist dem Magen bekömmlich. Das Mehl daraus, welches statt Graupen aufgestreut wird, hilft den an Dysenterie und am Magen Leidenden; auch wird es in Form von Brei gegeben. Die Schalen wirken besser, wenn sie in Honigwein gekocht und in der Gabe von 3 Bechern genommen werden. Gegen Ohrenleiden hilft das in ihrer Mitte befindliche bitter schmeckende Grüne, wenn es mit Rosenöl gekocht und eingeträufelt wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)