"[II.152. - Wegerich] - Plantago asiatica, lagopus (Plantaginaceae) - Wegericharten
Der Wegerich [Einige nennen ihn Arneion, Andere Probateion, Kynoglosson, Heptapleuron, Polyneuron, die Propheten Schwanz des Ichneumons, die Ägypter Asonth, die Römer Plantago minor, die Gallier Tarbelodathion, die Spanier Thesarika, die Afrikaner Atieirkon] kommt in zwei Arten vor, dem kleinen und großen. Der kleine hat schmalere, längere, weichere, glattere und zartere Blätter, kantige Stengel, gebogen, wie über die Erde hin (geneigt), und blasse Blüten, der Same sitzt an der Spitze der Stengel. Der größere ist üppiger, hat breite Blätter und ist gemüseartig, der Stengel bei ihm ist kantig, rötlich, eine Elle hoch, von der Mitte bis zur Spitze mit zarten Samen besetzt. Die Wurzeln darunter sind zart, rau, weiß, fingerdick; er wächst an Sümpfen, Hecken und feuchten Orten. Besser zum Gebrauch ist der größere. Die Blätter haben austrocknende, adstringierende Kraft, deshalb eignen sie sich zum Umschlag bei allen bösen Zufällen, bei Elephantiasisleiden, bei fließenden und schmutzigen Geschwüren. Sie wirken hemmend bei Blutflüssen, fressenden Geschwüren, Karbunkeln, kriechenden Geschwüren und Epinyktiden. Sie vernarben alte und ungewöhnliche Geschwüre und heilen bösartige Geschwüre, verbinden auch die Wundränder. Sie erweisen sich heilsam bei Hundsbissen, bei Feuerbrandwunden, Geschwülsten, Drüsen an den Ohren, an der Scham und am Halse und bei Aegilopie (Gaisauge), wenn sie mit Salz aufgelegt worden. Als Gemüse mit Salz und Essig gekocht und genossen sind sie ein gutes Mittel bei Dysenterie und Magenleiden. Sie werden auch, mit Linsen statt Bete zusammengekocht, gegeben. Das gekochte Kraut wird auch nach dem Genuss von trockener Kost gegen Bleichsucht gereicht; es wirkt auch gut, wenn es bei Epilepsie und Asthma gegeben wird. Der Saft der Blätter, wenn er anhaltend als Mundwasser gebraucht wird, reinigt die Geschwüre im Grunde; mit kimolischer Erde oder Bleiweiß heilt er roseartige Entzündungen. Der Saft hilft als Injektion bei Fisteln und eingetröpfelt bei Augen- und Ohrenleiden; er wird auch den Kollyrien zugemischt. Ferner (hilft er) getrunken bei wundem Zahnfleisch und bei Blutauswurf, als Klistier bei Dysenterie. Er wird weiter bei Auszehrung getrunken und gegen Gebärmutterkrämpfe und -Flüsse in Wolle als Zäpfchen angewandt. Der Same mit Wein getrunken hält Bauchfluss und Blutspeien auf. Die gekochte Wurzel als Mundspülwasser und gekaut lindert die Zahnschmerzen. Gegen Blasen- und Milzgeschwüre werden Wurzel und Blätter mit Süßwein gegeben. Man sagt, dass drei Wurzeln mit 3 Bechern Wein und ebenso viel Wasser gegen das dreitägige, vier Wurzeln gegen das viertägige Fieber helfen. Einige gebrauchen die Wurzeln als Halsband gegen Drüsen, sie zerteilen diese. [Die Syrer (sagen), dass das Gericht des gelben (des Wegerichs) und der Minze mit Honig die Entkräfteten heile, wenn es am zweiten, vierten Tage und Charfreitag gegeben werde. Dieses fasse man als Geheimmittel auf; denn es entspricht vollständig der Wahrheit und beruht auf Erfahrung.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)