"Jam nisi me fessum via longior indupediret,
Scrupeus atque novi tereretur carminis ordo ,
Debueram viburna Rosae pretiosa metallo
Paetoli et niveis Arabum circumdare gemmis.
Haec; quia non Tyrio Gcrmania tingitur ostro,
Lata nec ardenti se Gallia murice iactat,
Lutea purpurei reparat erementa quotannis
Ubertim floris, tantum qui protinus omnes
Herbarum vicisse comas virtute et odore
Dicitur, ut merito florum flos esse feratur.
Inficit hic oleum proprio de nomine dictum,
Quod quam saepe fiat mortalibus utile curis,
Nec meminisse potest hominum nec dicere quisquam.
Huic famosa suos obponunt Lilia flores,
Longius horum etiam spirans odor imbuit auras;
Sed si quis nivei candentia germina fructus
Triverit, adspersi mirabitur illicet omnem
Nectaris ille fidem celeri periisse meatu.
Hoc quia virginitas fama subnixa beata
Flore nitet, quam si nullus labor exagitarit
Sordis et illiciti non fregerit ardor amoris,
Fragrat odore suo: porro si gloria pessum
Virginitatis eat, faetor mutabit odorem.
Haec duo namque probabilium genera inclita florum
Ecclesiae summas signant per saecula palmas,
Sanguine Martyrii carpit quae dona Rosarum
Liliaque in fidei gestat candore nitentis.
O Mater Virgo, faecundo germine Mater
Virgo fide intacta, sponsi de nomine sponsa,
Sponsa, columba, domus, regina, fidelis amica,
Bello carpe Rosas, laeta abripe Lilia pace!,
Flos Tibi sceptrigero venit generamine Jesse,
Unicus antiquae; reparator stirpis et auctor ,
Lilia qui verbis vitaque dicavit amoena,
Morte Rosas tingens, pacemque et proelia membris
Liquit in orbe suis, virtutem amplexus utramque,
Praemiaque ambobus servans aeterna triumphis."
(Walahfried Strabo: Liber de Cultura Hortorum von 827)

"I. Wäre ich nicht zu müde, den Weg noch weiter zu wandern,
Schreckte mich nicht der beschwerliche Bau eines neuen Gedichtes,
Müßte die köstlichen Sträucher der Rose ich mit des Pactolus
Gold und der Araber schimmerndem Edelgestein nun umkleiden.
Weil Germanien tyrischen Purpurs entbehrt und das weite
Gallien nicht der leuchtenden Puprurschnecke sich rühmet,
Schenkt zum Ersatz die Rose alljährlich üppig goldgelben
Flor ihrer purpurnen Blüte, die allen Schmuck der Gewächse
Alsbald an Kraft und Duft, wie man sagt, so weit überstrahlte,
Daß man mit Recht als die Blume der Blumen sie hält und erkläret.
Sie erzeuget ein Öl, das nach ihrem Namen genannt wird,
Wie oft dieses zum Segen der Sterblichen nützlich sich zeiget, -
Keiner der Menschen vermag es zu wissen oder zu sagen.
Ihr zur Seite, bekannt und geehrt, stehn der Lilien Blüten,
Deren wehender Duft noch weiter die Lüfte durchtränket.
Wenn aber einer zerquetscht das glänzende Fleisch ihrer weißen
Frucht, so wird er verwundert bemerken, daß wie verflogen
Alsbald entschwindet jeder Gedanke an lieblichen Nektar.
Reinheit der Jungfrau, selig gepriesen, strahlt aus der Blume;
Dann nur leuchtet sie duftend, wenn Not der Sünde ihr fernbleibt,
Wen unheiliger Liebe Begier ihre Blüte nicht knicket.
Gehet jedoch ihrer Unberührtheit Kleinod verloren,
Werden in üblen Gestank sich die holden Düfte verwandeln.
II. Denn diese beiden Blumen, berühmt und gepriesen, sind Sinnbild
Seit Jahrhunderten schon der höchsten Ehren der Kirche,
Die im Blut des Martyriums pflückt die Geschenke der Rose
Und die Lilien trägt im Glanze des strahlenden Glaubens.
Jungfrau Maria, Mutter, die du den Sohn hast geboren,
Jungfrau, im Glauben ohn' Makel, du Braut nach des Bräutigams Namen,
Braut und Taube, du Hort und Herrin, verläßliche Freundin,
Pflücke Rosen im Streite und brich frohe Lilien im Frieden.
Aus dem Königsstamm Jesse ist dir eine Blüte entsprossen,
Retter und Bürge allein des erneuerten alten Geschlechtes.
Er hat die lieblichen Lilien geweiht durch sein Wort und sein Leben,
Färbend im Tode die Rosen, hat Frieden und Kampf seinen Jüngern
Auf dieser Erde gelassen, die Tugenden beider verbindend,
Beiden Siegen verheißend die Krone des ewigen Lebens."
(Walahfried Strabo: Liber de Cultura Hortorum von 827)