"[IV.170. - Südlicher Seidelbast] - Daphne gnidium (Thymelaeaceae) - Südlicher oder Rispenblüthiger Seidelbast
Die Thymelaia - Einige nennen sie Chamelaia, Andere Feuerspreu, Knestron oder Kneoron - liefert als Frucht die knidischen Körner, welche die Syrier Apolinon, auch Lein nennen wegen der äusseren Aehnlichkeit des Strauches mit dem gesäten Lein. Sie entwickelt hübsche und zahlreiche zarte, zwei Ellen lange Triebe; die Blätter sind denen der Chamelaia älinlich, nur sind sie schmaler und fetter, beim Kauen etwas klebrig und zähe. Die Blüthen sind weiss und mitten darin sitzt die der Myrtenbeere ähnliche kleine, runde, anfangs güne, später rothe Frucht; die Fruchthülle ist hart und schwarz, das Innere weiss. Sie führt Schleim, Gallen und Wasser nach unten ab, wenn von 20 Körnern das Innere genommen wird, brennt aber im Schlunde, deshalb muss sie mit Mehl oder Graupen gegeben werden, oder zum Verschlucken in einer Weintraube oder mit gekochtem Honig überzogen. Denen, welche schwer zum Schwitzen kommen, gibt man sie zum Einsalben, fein gerieben mit Essig und Natron. Die Blätter, welche eigentlich Kneoron genannt werden, muss man um die Zeit der Weizenernte sammeln und, nachdem man sie im Schatten getrocknet hat, aufbewahren; bei der Verabreichung muss man sie stossen und die Nerven entfernen. Ein Essignäpfchen voll mit gemischtem Wein angerührt pur- girt durch Abfahren des Wässerigen; sie bewirken aber ein mässigeres Purgiren, wenn sie gekochten Linsen oder zerriebenen Gemüsen zugesetzt werden. Fein gestossen und mit dem Saft der unreifen Traube gemischt werden sie zu Brödchen geformt und aufbewahrt. Für den Magen ist die Pflanze nicht gut; im Zäpfchen eingelegt tödtet sie den Embryo. Sie wächst in bergigen und rauhen Gegenden. Diejenigen irren übrigens, welche glauben, das knidische Korn sei die Frucht von Chamelaia, sie lassen sich täuschen durch die Aehnlichkeit der Blätter."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.43. - Knidisches Oel.] - Daphne Gnidium (Thymelaeaceae) - Rispenblüthiger oder Italienischer Seidelbast
Aehnlich wird auch dieses aus den ausgemachten und gestossenen
knidischen Körnern hergestellt. Getrunken hat es eine den Magen
reinigende Wirkung."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)