Rheum australe
"Die Rhabarber war schon den Arabern bekannt, wurde aber erst am Ende des sechzehnten
Jahrhunderts durch Adolph Occo in Deutschland eingeführt. Linne war der Meinung, dass
diese Wurzel von Rheum undulatum komme, so wie man den Untersuchungen zufolge, die von
Pallas und Georgi in Sibirien unternommen und auf Befehl der Kaiserin Catharina II. bekannt
gemacht wurden, glauben konnte, dass die moskowitische Rhabarber von Rheum undulatum,
die chinesische aber von Rheum palmatum herstamme, ... Ja, nachdem Siebers, der Begleiter Pallas’s, sieben Jahr vergeblich
gereist war, um die wahre Rhabarberpflanze aufzufinden, war es nur erst dem Dr. Wallich,
dem Director des botanischen Gartens zu Calcuta , vorbehalten , dieselbe ausfindig zu machen. Er
erhielt Samen von den Himalayagebirgen , der durch Aussäen eine Art Rheum gab. Er nannte
diese, der Gegend ihres Herkommens nach, Rheum Emodi und schickte davon getrocknete Pflanzen
und reifen Samen an Colebrooke zu London und dieser gab einen Theil von letztrem an
Lambert, der so glücklich war, mehrere Pflanzen daraus hervorgehen zu sehen, in denen Don
sein Rheum australe erkannte, von welchem er aber bis dahin nicht gewusst hatte, dass es die
echte Rhabarberpflanze sey. — Alljährlich wird die Wurzel dieser Rheumart in großer Menge
auf den hohen Gebirgen des Himalaya zur Ausfuhr nach den chinesichen Provinzen gesammelt; ein
Umstand, der wohl veranlasst zu glauben, dass von ihr die chinesische Rhabarber, Rad.
Rhei chinensis, herzuleiten sey, so wie sie auch noch überdies als moskowitische, Rad. Rhei
moskovitici,
Vorkommen kann. ...
Sie wird auch von Canton nach
Ostindien verschifft und geht von da zu Wasser nach England, Dänemark, Holland, so wie überhaupt
nach unserem Festlande, wo sie dann unter den Namen der indischen, dänischen und
holländischen Rhabarber, Rad. Rhei indici, danici et hollandici,
hervortritt. In Rücksicht
der Abstammung der chinesischen und moskowitischcn oder russischen Rhabarber muss ich aber
noch bemerken, dass man den Farbestoff, den das Rheum australe vorzugsweise vor allen hier
vorkommenden Arten in der Umhüllung des Samens in so reichlicher Menge besitzt, nicht übersehen
darf; denn unleugbar hängt die Erscheinung dieses Stoffes von einem in dieser Art vorherrschenden
Bestandteile ab, der vielleicht aus Pfaff’s Rhabarberstoff und Henry’s Farbestoff zusammengesetzt
seyn kann , gewiss aber diese Art in Hinsicht ihrer therapeutischen Wirkung auszeichnen
muss. Nun hat die chinesische Rhabarber, selbst den Bestandteilen nach, unter den
übrigen Handelssorten die größte Ähnlichkeit mit der moskowitischcn, und so möchte man
wohl zu dem Schlusse verleitet werden, dass sowohl die chinesische als auch die moskowitische
von dem Rheum australe abstamme, und dass der Unterschied zwischen beiden nur von der verschiedenen
Behandlung bey der Zubereitung und von der Auswahl der besten Stücke für die letztere
abhänge; denn bekanntlich werden diese in Kiachta , wohin sie durch die bucharischen Kaufleute
gebracht werden, von den russischen Commissarien sehr sorgfältig untersucht, die schlechten
verworfen und die bessern nach Petersburg geschickt, wo man sie nochmals einer genauen Untersuchung
unterwirft, ehe sie in den Handel kommen dürfen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)