"Steifer Sauerklee, gelber Sauerklee.
Wächst fast in ganz Deutschland, so wie in mehreren Ländern Europens und auch in Virginien und Jamaica, auf Ackern und auf Gartenland.
Blühet vom Junius bis in den August.
Die Oxalis stricta, welche nach G. Sprengel die Oxys des Plinius ist, kann ebensowohl wie die Oxalis Acetosella — wie auch bey dieser schon bemerkt worden ist — zur Bereitung oder Ausscheidung des Sauerkleesalzes gebraucht werden. Überhaupt, was dort gesagt worden ist, gilt auch hier, wo jedoch einige Erfahrungen über die schnell tödtende Wirkung der Sauerkleesäure noch nachzutragen sind.
„Miss M. P., ungefähr 40 Jahr alt, trank statt Bittersalz eine Auflösung von einer halben Unza Sauerkleesäure in Wasser. Sie fühlte sogleich schreckliche Schmerzen, und zeigte alle Symptome der Vergiftung. Nach 40 Minuten starb sie.“
Wenn nun, wie wohl nicht abgeleugnet werden kann, die Sauerkleesäure in großen Gaben als schnell tödtendes Gift wirkt, so fragt es sich; was man unter gleichen Umständen von der Weinsteinsäure zu erwarten habe? Beantworten kann ich zwar diese Frage nicht; aber so viel weiß man aus Erfahrung, dass Punsch mit Weinsteinsäure bereitet, nicht so wohl bekommt, wie der, zu dessen Bereitung Citronen genommen werden. Sehr wahrscheinlich würde hier die Weinsteinsäure viel nachtheiliger wirken, wenn sie in größerer Quantität dazu genommen würde, und der Zucker und die starke Verdünnung durch Wasser und Rum nicht ihre Wirkung milderten; ja vielleicht möchte selbst die Citronensäure ihr gleichen, wenn diese nicht in dem Citronensafte durch eine ansehnliche Menge von Schleim eingehüllt wäre. Auf jeden Fall verdient, nach diesen Erfahrungen zu urtheilen, die Wirkung der freyen Pflanzensäuren auf den thierischen Organismus mit Hinsicht auf Quantität und Concentration, so wie auf die dabey vorkommenden Einhüllungsmittel, noch genauer erforscht zu werden."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Fünfter Band. 1855.)