"Hopfenzapfen: Hopfenzapfen sind die getrockneten, im August/September geernteten, weiblichen Blütenstände von Humulus lupulus, einer zweihäusigen, ausdauernden, rechtswindenden Kletterpflanze. In Hopfenkulturen baut man nur weibliche Pflanzen an; dadurch wird vermieden, dass reife Samen (bis 6 cm lange Nüsse), die viel wiegen, aber keinen Nutzwert haben, in die Hopfenernte gelangen. Die weiblichen Blütenstände sind dichtblütige Kätzchen; das zapfenartige Aussehen bekommen sie durch die zahlreichen Hochblätter (Zapfenschuppen). Jede Einzelblüte ist von einem Tragblatt (Vorblatt) umschlossen. Hoch- und Vorblätter sind mit becherförmigen Drüsenschuppen bedeckt, die sowohl ätherische Öle, als auch Bitterstoffe enthalten.
Die Hopfenzapfen haben einen aromatischen Geruch und würzig, bitteren Geschmack. Mit zunehmender Lagerdauer ändert sich der Geruch; alter Hopfen kann unangenehm nach Isovaleriansäure riechen. Auffälligerweise sind es gerade Drogen mit unangenehmer Geruchsnote, wie Baldrian, Hopfen oder Asa foetida, die in der Volksmedizin als "Antihysterika" verwendet werden.
Inhaltsstoffe sind Bitterstoffe (18%), ätherisches Öl (0,2-0,5%), Tannine (Polyphenole 3,5%), Rohprotein (20%), Ballaststoffe (Rohfaser 15%) und mineralische Bestandteile (Asche 8%). Das Hopfenaroma beruht wesentlich auf dem ätherischen Öl. Von den über 150 Verbindungen dominieren mengenmäßig Humulen, Caryophyllen und Myrcen. Je nach Mengenverhältnis unterscheidet man zwischen myrcenreichen und humulenreichen Hopfensorten. Letztere zeichnen sich durch ein besonders feines Aroma aus. Der Bitterwert des frisch geernteten Hopfens beruht hptsl. auf der Humulongruppe. Angaben, dass der Hopfen östrogen wirksame Stoffe enthält, treffen nicht zu. Hopfenzapfen enthalten den gelben Pflanzenstoff Xanthohumol, das bei der Lagerung des Hopfens parallel zur Abnahme der Bitterstoffe, zu unbekannten Stoffen abgebaut wird. Der Gehalt an Xanthohumol ist ein Kriterium für die Qualität der Droge.
Der für Brauereizwecke verwendete Hopfen wird, um Qualitätsverluste zu vermeiden, raschest getrocknet und weiterverarbeitet. Auch bei sachgemäßer Lagerung erleidet Hopfen Qualitätsverluste, sodass man heute zu einem hohen Prozentsatz Hopfenextrakte zum Bierbrauen einsetzt. Die Hauptfunktionen des Hopfens sind dabei folgende: das Bier erhält den charakteristischen bitteren Geschmack, es bekommt ein angenehmes Aroma und es wird haltbarer (das Wirkungsspektrum der Bittersäuren erstreckt sich auf grampositive Bakterien).
In der Pharmazie verwendeter Hopfen ist in der Regel überlagert; weder die Ausgangsdroge (Pharmahopfen) noch die Extrakte enthalten in nennenswertem Umfang genuine Aroma- und Bitterstoffe.
Anwendung: Innerlich wird die Droge als Teeaufguss oder Tinktur angewendet; Extrakte sind Bestandteil von Kombinationspräparaten in Drageeform. Die chemische Zusammensetzung der Extrakte und Fertigarzneimittel ist nicht bekannt und ist sicher nicht mit derjenigen des frischen Hopfens zu vergleichen. Die äußere Anwendung als Hopfenkissen stellt psychodynamische Effekte in Rechnung. Als aromatische Bittermittel erweisen sich Infus und Tinktur aus möglichst frischem Hopfen bei atonischer Dyspepsie als nützlich. Die Fertigarzneimittel, welche Hopfenextrakte aus älterem Pharmahopfen oft in Kombination mit Baldrianextrakten enthalten, gelten als wirksam bei Hysterie, Unruhe und Schlafstörungen. Ob es sich dabei um mehr als einen Plazeboeffekt handelt, wird immer wieder in Zweifel gezogen.
Anmerkung: Frische Hopfenzapfen können die Ursache der sog. Hopfenpflückerkrankheit sein, die durch Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Konjunktivitis, ev. Blasenbildung auf der Haut sowie Gelenksbeschwerden gekennzeichnet ist."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)