"Colchicin: Die Substanz ist das Hauptalkaloid in Knollen und Samen der Herbstzeitlose, Colchicum autumnale. Es handelt sich um ein hellgelbes Pulver, das sich im Licht dunkel färbt. Es ist leicht löslich in Wasser, Ethanole und Chloroform. Colchicin ist eine sehr schwache Base, seine Salze sind in Wasser nicht beständig.
Die Droge findet Anwendung zur Behandlung des akuten Gichtanfalls. Wirkweise: Die in den Gelenken abgelagerten Hanrsäurekristalle rufen eine Entzündung hervor. Entzündungsmediatoren locken chemotaktisch Leukoxcyten an, welche die Harnsäurekristalle phagocytieren, letztlich aber durch ihren Zerfall die Entzündung weiter eskalieren. Cholchicin lagert sich spezifisch an kontraktile Eiweißelemente (Tubulin) an, dadurch werden sowohl die Leukocytenmobilität als auch Phagocytoseaktivität gehemmt.
Colchicin wirkt auf die tierische und pflanzliche Zelle antimitotisch. Es stört die Verteilung der Chromosomen bei der Kernteilung. Seine Wirkung wird darauf zurückgeführt, dass es sich mit den löslichen Spindelproteinen (Tubulin) verbindet, und so das Wachstum der Mikrotubuli blockiert. Da Colchicin für die pflanzliche Zelle ungiftig ist, wird es als Reagens zur Auslösung von Erbänderungen (Polyploidie) verwendet."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Herbstzeitlosensamen: Die Samen messen im Durchmesser 2-3 mm, sie sind sehr hart und haben eine ungleichmäßige, mattbräunliche bis braunschwarze Oberfläche. Die Samen sind geruchlos, schmecken bitter und kratzend. Inhaltsstoffe sind 0,2-1,2% Colchicin, neben Demecolcin und Colchicosid.
Sie dienen als Rohstoff zur Gewinnung von Colchicin. Die therapeutische Breite ist gering. Nicht selten treten bereits in therapeutischer Dosierung erste Vergiftungssymptome auf, wie Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, oder Bauchschmerzen. Patienten, die über einen längeren Zeitraum Cochicin einnehmen, gehen das Risiko ein, dass eine Agranulozytose auftritt, dass es zu einer Myopathie kommt, oder dass die Haare ausfallen. Die Colchicummedikation bedarf der ständigen Überwachung durch den Arzt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)