"Herbst-Zeitlose, Wiesenzeitlose, Herbstblume, Michelsblume , Lichtblume, Spinnblume,
Uchtblume, Wiesensafran, Strockenbrod, Hundshode, nackte Jungfer, nackte Hure.
Wächst in den mehresten Gegenden Deutschlands und der übrigen Ländern Europens auf
feuchten Wiesen und Triften.
Blühet vom September bis in den November.
Von dem Colchicum antumnale werden die Wurzeln, Radices Colchici, als Arzneymittel
gesammelt, und zwar muß dies im Anfänge des Sommers geschehen, wo dann nur die junge Zwiebel
genommen, die mit ihr verbundene alte aber weggeworfen wird. Man befreyet sie dann von
den braunen Häuten, und wendet sie im noch frischen Zustande zu dem Zeitlosenessig, Acetum
Colchici, an, aus welchem dann das Oxymel Colchici bereitet wird. In den Zeiten, wo man in
dem Satzmehle noch Arzneykräfte von den Gewächsen suchte, aus denen es abgeschieden war, bereitete
man auch eine Faecula Colchici.
Die dichte Zwiebel, welche hier die Wurzel darstellt, ist innerhalb weiß, von nicht starkem,
aber widerlichem Gerüche und von scharf bitterm Gesehmacke. Ihr vorwaltender Bestandteil ist
der starke Grundstoff, der aber bey ihr, wie dies bey mehreren Pflanzenkörpern der Fall ist, durch das
Trocknen verloren geht. Dieser Umstand, so wie auch die Zeit des Sammelns, wobey auch wohl der
Standort des Gewächses mit in Betracht kommt, haben gewiß die so verschiedenen Meinungen
über die Wirksamkeit dieses Mittels hervorgebracht. Die frischen Wurzeln sind nach der Beschaffenheit
des Bodens und der Jahreszeit, in der sie gesammelt werden mehr, oder weniger scharf,
so, daß sie von einigen zu den ätzenden und fressenden Giften gezählt werden, da hingegen andre,
wie Haller und Kratochwill, sie für unschädlich und kraftlos halten. Von Störk, Collin
und Plenk sind sie, wegen ihrer harntreibenden und auflösenden Kräfte, als Hauptmittel bey der
Brustwassersucht und andern hydropischen Zufällen empfohlen worden. Man wendete sie in
der Form der oben genannten Zubereitungen an. Mehrere haben sie der Meerzwiebel gleich gehalten;
da sie aber ihre Wirkung bloß dem scharfen Grundstoffe verdanken, die Meerzwiebel
hingegen außer diesem auch noch einen bittern, klebrigen Extraktivstoff enthält, so scheinen
beyde Mittel dennoch sehr verschieden zu seyn."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Fünfter Band. 1855.)