"[IV.84. - Zeitlose] - Colchicum autumnale (Melanthaceae) - Herbstzeitlose
Das Kolchikon - Einige nennen es Ephemeron, Andere wilde Zwiebel
[die Römer Ackerzwiebel] treibt im Spätherbst eine weissliche, der des
Safran ähnliche Blüthe, später entwickelt es die Blätter, welche denen der
Zwiebel ähnlich, aber fetter sind. Der Stengel ist eine Spanne lang und trägt
eine rothbraune Frucht, die Wurzel hat eine schwärzlichgelbe Rinde, abgeschält findet man sie weiss, zart, saftreich und süss. Die Zwiebel hat in der
Mitte einen Spalt, aus dem sie die Blüthe treibt. Sie wächst am meisten in
Messenien und Kolchis. Genossen tödtet sie durch Erstickung ähnlich
wie die Pilze. Wir haben dieselbe aber beschrieben, damit sie nicht unversehens statt der Küchenzwiebel gegessen werde, denn wunderbar lockt
sie die Unerfahrenen durch ihre Süsse an. Gegen den Genuss helfen
dieselben Mittel wie gegen den Genuss von Pilzen, ferner das Trinken
von Kuhmilch, so dass, wenn diese bei der Hand ist, es keines anderen
Mittels bedarf."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)