Vaccinium s [von latein. vaccinia = eine Sippe blühender Kräuter], Heidelbeere (i.w.S.), vor allem in den höheren Gebirgslagen Südostasiens sowie Nord-, Süd- und Mittelamerikas heimische Gattung der Heidekrautgewächse mit ca. 450 Arten. Immer- oder sommergrüne (Halb-)Sträucher mit einfachen Blättern und einzeln oder in Trauben stehenden Blüten. Diese mit kugeliger oder krugförmiger bis glockiger, am Rande 4–5zipfliger Krone und 8–10 Staubblättern. Die sich aus dem unterständigen Fruchtknoten entwickelnde Frucht ist eine saftige bis mehlige, in der Regel 4–5fächerige, vielsamige Beere.
In Mitteleuropa zu finden sind nur 3, circumpolar verbreitete Arten. Bekannteste hiervon ist die Blaubeere, Bickbeere oder Heidelbeere i.e.S. (Vaccinium myrtillus), ein buschiger Zwergstrauch mit grünen, scharfkantigen Zweigen, rundlich-eiförmigen Blättern und einzeln blattachselständigen, grünlich-rötlichen Blüten. Seine zwischen Juli und September erscheinenden, etwa 1 cm großen, blauschwarzen, bereiften Beeren sind wegen ihres süß-säuerlichen Geschmacks ein begehrtes Wildobst, das entweder roh verzehrt oder zu Kompott, Konfitüre, Saft, Wein, Likör und anderem verarbeitet wird.
Auch die glänzend roten Früchte von Vaccinium vitis-idaea, der Preiselbeere, einem immergrünen Zwergstrauch mit weißlich-rötlichen, in Trauben stehenden Blüten, werden als Wildobst gesammelt. Roh ist ihr Geschmack etwas mehlig und herb, zu Konfitüre verarbeitet sind sie jedoch eine beliebte Beilage zu Wild. Vaccinium uliginosum, die Rauschbere, Moorbeere oder Trunkelbeere, ein bis 90 cm hoher, sommergrüner Strauch, besitzt kugelige bis birnenförmige, außen blaubereifte, innen weiße Früchte, nach deren Verzehr es bisweilen zu Vergiftungserscheinungen (u.a. Erbrechen, Rauschzustände, Schwindel, Sehstörungen) kommt. Möglicherweise sind diese darauf zurückzuführen, daß die Beeren häufig von dem Pilz Sclerotinia megalospora befallen sind.
Alle genannten Arten wachsen gesellig im Unterwuchs lichter (trockener) Wälder, in Zwergstrauchheiden höherer Gebirgslagen sowie in Mooren, auf sauren, humusreichen Böden. Wegen der großen Beliebtheit der Heidelbeere werden auch Kultursorten gezüchtet und angebaut. Es handelt sich dabei um Abkömmlinge der 1–2 m hohen Amerikanischen Blaubeere (Vaccinium corymbosum) mit in Trauben stehenden, bis 2 cm großen Beeren. Häufig werden auch die Arten der Moosbeere (Oxycoccus) der Gattung Vaccinium zugeordnet.
Wirtschaftliche Bedeutung hat vor allem die im Osten Nordamerikas heimische Art Große Moosbeere oder Kronsbeere bzw. Cranberry (Vaccinium macrocarpon syn. Oxycoccus macrocarpos), deren bis 2 cm große rote Beeren wie Preiselbeeren genutzt werden.