"Hefepolysaccharide (Zymosan): Hefen sind in der Natur weit verbreitet. Die Mehrzahl lebt saprophytisch auf Pflanzen, und zwar befallen sie gern zuckerhaltige Früchte. Daneben gibt es aber auch parasitisch lebende Hefen, die schwere Erkrankungen hervorrufen können. Andere Hefen schließlich trifft man als Symbionten, beispielsweise im Ernährungstrakt von Insekten oder höheren Tieren.
Im Zusammenhang mit der Phytomedizin sind in erster Linie die Arten der Gattun Saccharomyces interessant. Sie vermehren sich durch Sprossung, eine Form der vegetativen Fortpflanzung. In der Gärungsindustrie verwendete Hefen sind Saccharomyces cerevisiae (Backhefe, Brennereihefe, obergärige Hefe), Saccharomyces carlsbergensis (untergärige Bierhefe, medizinische Hefe) und Saccharomyces vini bzw. S. ellipsoideus (Weinhefe).
Medizinische Hefe besteht aus unter- oder obergäriger Bierhefe, die einer besonderen Aufbereitung unterzogen wird. Welche Art Hefe sich bildet hängt von der Temperatur ab: Bei obergärigen Bieren (Bayerisches Weißbier, Kölsch oder Düsseldorfer Altbier, Stout, Pale Ale...) verläuft die Gärung rasch und stürmisch bei Temperaturen zwischen 12-25°C unter Abscheidung der Hefe als Bodensatz. Untergärige Biere (Pilsener, Dortmunder, Münchner, Bockbiere...) entstehen in langsamer Gärung bei Temperaturen zwischen 4-10°C unter Abscheidung der Hefe als Bodensatz. Obergärige Biere zeigen eine wesentlich höhere Lagerfähigkeit.
In den Pharmakopöen wird in der Regel untergärige Bierhefe als Ausgangsmaterial gefordert. Die rohe Bierhefe stellt eine klebrige, halbflüssige, schaumige Masse dar, die durch die noch anhaftenen Hopfenbestandteile leicht bitter schmeckt. Für die Herstellung medizinischer Hefe muss das Rohprodukt gereinigt, entbittert und entwässert (getrocknet) werden. Dann folgt das Vermahlen zu einem gelblichen bis bräunlichgelben, meist mittelfeinen Pulver. Eas hat einen charakteristischen Geruch und einen zunächst süßlichen, dann leicht salzigen, ev. schwach bitteren Geschmack. Medizinische Hefe wird in Pulver- und Tablettenform angeboten.
Immunstimulierend wirken zwei Bestandteile: Zymosan und Hefeglukan. Zymosan ist ein Rohprodukt aus den Zellwandbestandteilen der Hefezellen. Hefeglukan stimuliert die Makrophagenaktivität und löst erhöhte Antikörperproduktion aus. Orale Gaben von Präparaten führen bei Rhesusaffen zu einem signifikanten Anstieg der Abwehr gegenüber respiratorischen und enteritischen Infektionen. Medizinische Hefe führt zu einer Steigerung der körperlichen Abwehr bei Expositionsgefahr, dient als Adjuvans bei Akne und Furunkulose und ist ein Bestandteil der Diätbehandlung (Kostumstellung bei Hautleiden, evtl. auch Krebsleiden)."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)