"Avena, Hafer.
Erwärmter und in einem Beutel auf den Leib applizierter Hafer ist ein beliebtes Bauernmittel gegen Blähungskolik, Magenschmerz, Magenkrampf (Most). Osiander sagt: "Unter den äußerlich im Magenkrampf anzuwendenden Hausmitteln lernte ich von einem hier studierenden Holsteiner, der am furchtbarsten Magenkrämpfe litt, folgendes kennen: Ohngefähr sechs Hände voll Hafer werden trocken in einer Pfanne geröstet, noch heiß in einen leinenen Beutel getan und auf die Herzgrube gelegt. Jener Kranke fand dadurch jedesmal die einzige Erleichterung." Das Wirksame liegt hier nicht einzig in der applizierten Wärme, sondern auch der empyreumatische, wohltätig auf das Nervensystem einwirkende Dunst des gerösteten und dadurch brenzlich riechenden Hafers muss mit in Anschlag gebracht werden.
Die Hafergrütze (Avena excorticata) wirkt in der Abkochung, mit Wasser und Zucker, oder mit Milch bereitet, einhüllend, erweichend, nährend, gibt mit Himbeersaft eine gute Suppe für Wöchnerinnen, für Fieberkranke, ist gut gegen Katarrh, Husten, Durchfälle und Ruhr. Gegen Vergiftung durch scharfe Gifte gibt man den mit Wasser bereiteten Hafergrützschleim ohne allen Zusatz von säuerlichen Säften, wohl aber von Zucker, der namentlich bei Vergiftung durch Grünspan und Sublimat sehr nützlich ist. Äußerlich wird die Hafergrütze vielfach als Hausmittel zu Umschlägen gegen schmerzhafte Hautentzündungen, zur Beförderung der Eiterung von Abszessen, Fingerwurm, als Abkochung zu Gurgelwassern, mit Öl und Salz zu erweichenden, eröffnenden Klystieren u. s. w. angewandt. In hitzigen Fiebern mit starkem Durste, bei entzündlichen Brustübeln, Katarrhen, bei Wochenbettfiebern ist folgendes Fiebergetränk sehr labend und erquickend."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)