"Zu allen Zeiten ist der Haber für eine geringere Getreideart gehalten worden als die bereits genannten. Galen sagt, dass er nur eine Nahrung für Thiere sey und von den Menschen blos bei großem Mangel und Hungersnoth gegessen werde. Plinius hingegen weiß in diätetischer und medicinischer Hinsicht großen Vortheil von dem Habermehl und Haberbrode zu erzählen.
Ob der Haber der Griechen unser gewöhnlicher ist scheint nach dem was Sprengel darüber gesagt hat, noch ungewiss , wenigstens hält er den des Theophrasts für Avena orientalis Schreber., weil nach dem was Theophrast sagt, eine Art gemeint seyn müste, die ihre eigenthümlichen Hüllen behalte. Auch Plinius spricht von einer »Avena graeca, cui semen non cadit« ; indessen kann dies so gut als das was Theophrast sagt, auf den gemeinen Haber, im Gegensatz mit dem nackten bezogen werden.
Selten wird der Haber in den hippokratischen Schriften genannt , und nur im Allgemeinen von ihm gesagt, dass er in Speisen und Getränken eine anfeuchtende, kühlende Nahrung gebe. Dioscorides rühmt den Haberbrei gegen Diarrhöen, und den Haberschleim bei Catarrhen."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)