"Avena sativa und fatua L., gemeiner
und Windhafer (Gramin.). — Hafer gehört zu den Leguminosen
(übrigens irrt Galen mit dieser Angabe) und hat
eine der Gerste ähnliche Wirkung. Aeusserlich angewendet,
trocknet er und vertheilt im mässigen Grade, ohne zu reizen.
Er hat etwas kühlende Wirkung. Ein wenig adstringirt er
und nützt daher bei Diarrhoen. — In „de aliment. facult.“ (VI.
22 sqq.) giebt Galen an, dass der Hafer in grossen Mengen
in Asien bes. Mysien gebaut werde und als Futter für Zugvieh
diene. Nur zur Zeit der Hungersnoth wird Haferbrod
gegessen, schmeckt jedoch schlecht, ist aber bekömmlich.
Sonst geniesst man ihn mit Wasser gekocht und mit Zusatz
von Wein, eingekochtem Most oder Honigwasser. — Dass Hafermehl
„bekömmlich“ ist, beweisen die zahlreichen, ganz
zweckmässigen hafermehlnaltigen Kindermehle, deren Geschmack
aber häufig viel zu wünschen übrig lässt."
(Ludwig Israelson: Die "materia medica" des Klaudios Galenos, 1894)