"Cucumern werden in Griechischer spraach Sicys / unn Sicys hemeros geheyssen. Zu Latein Cucumis und Cucumer / welcher namen in den Apotecken bliben ist. Aetius nent sölch gewechß Angurium. Ursach des Griechischen und Lateinischen namens haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.
Der Cucumern seind mancherley geschlecht / fürnemlich aber sechs. Das erst geschlecht ist gantz gemein / würdt von ettlichen Anguria genent. Daher kompts das diß geschlechts früchten auff Teütsch von ettlichen auch Gurchen geheyssen werden. Das ander geschlecht würt Türckischer Cucumer genent darumb / on zweifel / das diß gewechß erstlich auß der Türckey ist in unser land kommen. Das dritt geschlecht würt zu Latein Cucumer marinus geheyssen / daher nent man sölchs gewechß Zucco marin. Mag wol Meer Cucumer genent werden. Das vierdt geschlecht nent man in den Apotecken Citrulum / und auff Teütsch Citrullen. Das fünfft geschlecht seind Pfeben / Pepones genent in Griechischer unn Lateinischer spraach. Das sechst Melon / die werden auch in beyden gedachten spraachen unn in der Apotecken Melones geheyssen. Diser aller underscheyd wöllen wir in beschreibung der gestalt klärlich anzeygen.
Das erst geschlecht / Cucumer in den Apotecken geheyssen / hat einen rauhen stengel / der kreucht auff der erden her. Seine bletter seind rauch / schwartzgrün / ecket / unn vornen zugespitzt / der kleinen Ephew blettern nit ungleich / aber grösser und breyter. Es hat auch seine hefftlin / darmit es sich an die nechsten gewechß wicklet. Die blumen so zwüschen dem stengel und den blettern wachsen / sind geel. Nach abfallung der blume kompt hernach die frucht / welche lang ist / außwendig mit vil tüpffelin besprengt / inwendig durchauß mit spitzigen und breyten kernen besetzt. Dise öpffel seind erstlich grün / darnach so sie zeitigen / werdens geel / mit vil strömlin oder fürchlin geziert. Die wurtzel ist schlecht / mit vilen weissen fäßlin besetzt. Der Türckisch Cucumer ist dem gemeinen mit stengel / kraut / hefftlin / blettern / blumen unn öpffel etwas gleich / aber aller ding grösser. Die bletter seind vil tieffer zerschnitten / grüner / und gegen dem styl nit wie die Ephew bletter außgeschnitten. Die blumen seind vil grösser / gestalt wie die glocken / doch vornen in fünff oder sechs teyl zerspallten / gantz saffranfarb. Die öpffel werden seer groß / und gantz unn gar geel. Die wurtzel ist holtzecht. Der Zucco marin oder Meer Cucumer ist mit stengel / hefftlin / blettern / blumen und wurtzel dem Türckischen gar änlich / aber aller ding kleiner. Die bletter seind auch mehr den Ephew blettern gleich / dann des Türckischen. Die öpffel seind gantz rund / geströmt / unn an der farb erstlich grün / darnach geel. Die Citrullen seind mit stengel / blettern / welche mit vilen schnitten oder kerffen zerspalten / unn blumen den frembden Coloquinten gantz gleich. Die öpffel seind auch rund / grün / aber vil grösser / inwendig mit grossen braunen breyten kernen besetzt.
Die Pfeben und Melonen haben fast einerley kraut / stengel und blumen. Ligen mehr auff der erden dann sie übersich wachsen. Ire hefftlin seind vil kleiner dann der andern Cucumern. Die bletter seind rund / rauch / den Reben blettern gleich. Die neben zweiglin tragen zweyerley geeler blumen / wie der Cucumern / die ersten fallen ab / die andern haben hinder jhnen bützlin nachvolgen / darauß werden die öpffel / ettlich lang und geel / die werden Pfeben genent / ettlich gantz rund und grün / die nent man Melonen / darumb das sie rund / unn gestalt seind wie die öpffel. Dise beyde frücht seind geströmt / unnd ettwas rauch / inwendig gantz geel / safftig / unn mit kernen in einer ordnung durchauß besetzt / am geruch lieblich / am geschmack süß.
Die Cucumern alle wöllen ein feyßt erdtrich / und vil sonnen haben. Das erst geschlecht ist gemein in unsern landen / aber die andern drey geschlecht der Cucumern seind vor kurtzen jaren erst zu unns gebracht worden / das man auß jhren namen wol mag abnemen. Die Pfeben und Melonen wöllen auch ein wolgebawt erdtrich haben / deßgleichen auch vil sonnen. Wachsen umb Nüremberg in grosser menig.
Die Cucumern / Melonen und Pfeben / werden im Hewmonat und Augstmonat zeitig.
Die Cucumern mitsampt den Melonen und Pfeben seind kalt unn feücht im andern grad. Der samen aber und wurtzel / so sie gedörrt werden / trücknen im ersten grad.
Die Cucumern gessen / lindern den bauch / unn seind gut dem hitzigen magen. Sie seind auch der blasen nützlich. Der sam treibt den harn. Mit milch oder süssem wein jngenommen / ist er gut denen so die blaß schwirig ist. Die bletter mit wein zerstossen und übergeschlagen / heylen die bissz der hund. Die Pfeben gessen / treiben den harn. So mans über die stirn legt / leschen sie die hitz der augen. Die eüsser schelfe übergelegt / treibt hindersich die flüß so in die augen geen. Der safft an der sonnen getrücknet unn angestrichen / macht ein schön angesicht. Die wurtzel gedörrt / gepulvert / unnd in Meth jngenommen eines quintlins schwer / macht speien. Mit hönig vermischt unnd übergelegt / heylt sie die fliessenden geschwär. So man mit den Pfeben die unreynen haut / und das angesicht reibt / vertreiben sie allerley masen / flecken / roßmucken unnd dergleichen ungestalt so daran gefunden würdt. Gessen / machen sie ein böß geblüt / und bringen mit sich die kranckheyt / darinn einer unden unnd oben zumal von sich gibt / Cholera genent. Die Pfeben samen treibt den lendenstein. Die Melonen seind nit so schädlich als die Pfeben / diene auch dem magen baß. So einer der in onmacht fellt zu den Pfeben oder Melonen schmeckt / kompt er widerumb zu jhm selbs. Wann man die Gurchen zu vil braucht / und der andern Cucumern / so leschen sie den mennlichen samen auß / und machen unlust zu den Eelichen wercken. Sie machen auch vil zäher böser feüchtigkeyt im leib / darauß langwirige feber entsteen / und grimmen der därmen.
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(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)