"Gundelreb oder Grundreb ist bey den Griechen Chamaeciffos geheyssen / zu Latein Hedera terrestris / unnd Corona terrae. Daher würdt diß gewechß von ettlichen Erdtkrentzlin / unn Erdtephew genent / dann es mit seinen ästlin oder reißlin sich außbreyt / unn das erdtrich krönet und bedeckt.
Grundreb hat vil zarte viereckete / ungevärlich spannen hohe stengelin / welche zu allen seiten mit runden Ephew blettlin besetzt / die seind ettwas rauch / zu ringßumbher zerkerfft / kleiner aber und zarter dann die Ephew bletter / am geschmack zur bitterkeyt geneygt / riechen starck. Zwüschen den blettern gewindt es seine purpurfarbe violen / die fallen ab on frucht / und on samen. Die wurtzel ist klein / und hat keinen gebrauch in der artzney. Diß gewechs henckt sich an den grund / und kreucht hin und wider.
Die Gundelreb wechßt gemeinlich in den gärten / hinder den zeünen / unnd gemewren allenthalben. Oberzeücht auch zu zeiten einen gantzen acker / wie ich wol dieselbigen gesehen hab. Grundreb kompt bald im Mertzen herfür / fahet an im Aprillen zu blüen / unn blüet fürhin den gantzen summer.
Diß gewechß ist warm und trucken / welches sein geschmack / der do bitter ist / gnugsam anzeygt.
Gundelreben kraut in wasser gesotten / unnd viertzig oder fünfftzig tag aneinander getruncken / bekompt wol denen so das hüfftwee haben. Deßgleichen sechs oder siben tag nach einander getruncken / vertreibt es die geelsucht. Die blumen für sich selbs eröffnen die verstopffung der leber. Gemellt kraut in wein gesotten unn getruncken / treibt den harn / bringt den frawen jre zeit. Gundelreb ist auch krefftig wider allerley gifft / treibt dasselbig durch den schweyß auß. Daher kompts das die Rosszartzet diß kraut seer brauchen zu den rossen die das feyfel haben. Es heylt auch die mundfeule / unnd andere grind / unnd verserung des leibs."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)