"Tragant (Astragalus-Gummi): Tragant ist die an der Luft erhärtete, gummiartige Ausscheidung, die natürlich oder nach Einschneiden von Stamm und Ästen von Astragalus gummifer und von gewissen anderen westasiatischen Arten der Gattung Astragalus (A. kurdicus, A. microcephalus) ausfließt.
Astragalus-Arten bilden 0,5-2 m hohe Sträucher mit Fiederblättern. Zu Beginn der Trockenzeit werden die Fiedern abgeworfen, während die Blattspindeln verdorrren. Astragalussträucher bestimmen das Vegetationsbild der Bergregionen von Anatolien, Kurdistan und Armenien, die zugleich Hauptproduktionsländer des Tragant sind.
Hinsichtlich der Gummosis zeichnen sich Astragalus-Arten dadurch aus, dass die Zellen des Markes und der Markstrahlen spontan verschleimen, d. h. stark verdickte Zellmembranen bilden, sodass ganze Gewebepartien - bis auf Zellwand und stärkehaltige Plasmareste - aus Schleimstoffen bestehen. Die Gummosis braucht - anders als bei Acacia - nicht erst durch größere mechanische Manipulationen ausgelöst werden. Durch Wasseraufnahme quellen die Schleime auf und beginnen auf das umliegende Rindengewebe Druck auszuüben, sodass bei geringster Verletzung des Stämmchens die Schleimmasse nach außen fließt und an der Luft erstarrt. Je nach Art der Verletzung entstehen unterschiedlich geformte Produkte: Längsschnitte führen zu Bandtragant, Stichwunden liefern den Faden- oder Wurmtragant.
Arzneibuchware (Bandtragant) besteht aus flachen, unregelmäßig gebogenen, bandartigen Stücken einer hornartigen, weißen oder gelblichen Masse. Meist wird er als Tragantpulver angeboten und verwendet. Tragant weist weder einen auffallenden Geruch, noch besonderen Geschmack auf. Im Unterschied zu arabischem Gummmi ist er in Wasser weniger gut löslich; er quillt vielmehr zu einer homogenen, klebrigen, gelartigen Masse auf.
Anwendung: - Medizinisch als Füllungsperistaltikum (allerdings selten, da andere Tragantarten preiswerter sind), - Als Mucilaginosum zur Verbesserung der Gleitfähigkeit von Kathetern und chirurgischen Instrumenten (die Präparate sind vor Verwendung zu sterilisieren), - Als Haftpulver für Zahnprotesen, - In der pharmazeutischen Technologie als Stabilisator für Emulsionen; vor allem als Basis für fettfreie Salben (Bassorinpasten), - In der kosmetischen Industrie als Binde- und Verdickungsmittel, z.B. in Zahnpasten, - In der Nahrungsmittelindustrie als Verdickungsmittel zur Viskositätserhöhung, als Stabilisator zur Emulsionserhaltung (Mayonnaisen) und als Rekristallisationsverhinderer (Speiseeis)."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)