"Atractylosid: Die Substanz ist ein für den Menschen hochgiftiges Diterpenglykosis mit einem ganz spezifischen primären Angriffspunkt. Atractylosid hemmt die Translocase und verhindert auf diese Weise, dass das in den Mitochondrien gebildete ATP aus den Mitochondrien herausgeschleust werden kann. Jegliche Synthesetätigkeit im Cytosol erlischt. Vergiftungen äußern sich beim Menschen in schweren Krämpfen, die an Strychninvergiftungen erinnern. Der Tod tritt durch Atemstillstand ein.
Die Droge kommt in allen Organen von Atractylis gummifera (syn. Chamaeleon gummifer) vor, am stärksten konzentriert im Rhizom. Die Stammpflanze steht botanisch-taxonomisch der Eberwurz, Carlina acaulis, nahe. Sie bildet eine Grundrosette von grob fiederschnittigen Blättern. Die großen rosafarbenen Blütenköpfe führen einen Kranz von stacheligen Hüllkelchblättern. Atractylis gummifera kommt in Nordafrika und Kleinasien verbreitet vor; in Europa auf der iberischen Halbinsel, auf Sardinien und Sizilien.
Das getrocknete Rhizom der Pflanze ist in der Materia medica des Dioskurides als Arzneidroge angeführt. In der traditionellen Medizin der Mittelmeerländer spielt die Droge bis heute eine gewisse Rolle; in kleinen Dosen äußerlich verwendet man sie zur Behandlung von Furunkeln und Abszessen.
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)