Guajacum officinale
"Gegenwärtig macht die Heilkunde von dem Holze des Guajakbaumes (Lignum Guajaci — Pockenholz,
Franzosenholz, Heiligenholz) und dem aus dem Baume von selbst oder nach gemachten
Einschnitten ausfliessenden, oder nach Andern auch durch eine Art Ausbraten erhaltenem Harz
(Resina Guajaci), oder auch wohl von der Rinde (Cortex Guajaci) Gebrauch.
Die Rinde ist einige Linien dick, schwer, hart, außerhalb rissig, schwarzgrün und mit bläulich-
grauen und gelben Flecken bezeichnet, und besitzt einen eigenthümlichen, kratzenden und beißenden
Geschmack. ...
Das Guajacharz (Resina Guajaci, mit dem Zusatze nativa) kommt in unförmlichen, bräunlichgrünlichen,
glänzenden, fast durchscheinenden Stücken vor, lässt sich zerreiben und erscheint dann
weißlich, färbt sich aber später grünlich. Es schmeckt süßlich-bitter und scharf, und verbreitet,
auf Kohlen geworfen, einen nicht unangenehmen Geruch, und färbt sich, wenn es mit arabischem
Gummi und Wasser gerieben, der Luft ausgesetzt wird, grünblau. ...
Der Gebrauch des Guajac’s ging von Hispaniola im Jahre 1508 nach Spanien über, und leistete
damals Großes gegen Syphilis.
Der Guajac befördert kräftig die Circulation, vermehrt die Diaphorese und Harnabsonderung,
so wie auch die Se- und Excretionen des Darmkanals, hebt Stockungen und verbessert die Säftemasse.
Man benutzt das Holz oder die Rinde als Rasura ligni Guajaci selten allein zu 1 — 2 Unzen
täglich, meist als Zusatz zu sogenannten blutreinigenden Theespecies (Species ad decoctum lignorum)
oder andern diaphoretischen Decocten. Das natürliche Guajacharz (Resina Guajaci nativa) wird zu
5—15 Gr. t. m. m. theils in Tincturen, theils in Pulvern, Pillen, Bissen, Emulsionen und in der Guajacseife
(Sapo Guajacinus) angewendet. Man benutzt auch wohl aus dem Holze bereitetes Extract (Extractum
ligni Guajaci), eine aus dem Holze bereitete Tinctur (Tr. Ligni Guajaci) und ein eben
daraus bereitetes Harz (Resina ligni Guajaci).
Gicht, chronische Rheumatismen, Blasenstcine, Hämorrhoiden, unterdrückte Menstruation, chronische
Hautausschläge, Lustseuche, Skropheln, Wassersucht, Asthma und Blennorrhoen sind die
Krankheiten, bei denen der Guajac schon viel Nutzen stiftete."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)