"Seeblumen werden von ettlichen Wassermäen genent / und von der farb wegen Kollerwurtz. Auff Griechisch unnd Lateinisch werden sie Nymphaea geheyssen. In den Apotecken Nenuphar. Ursachen warumb sie Nymphaea sey genent worden / haben wir im Latein gnugsam angezeygt.
Der Seeblumen seind zwey geschlecht / eins mit weissen blumen / der weissen Lilgen nit seer ungleich. Das ander mit geelen blumen / welches derhalben würdt geel Seeblum genent. Mögen auch der wurtzel halben underscheyden werden / dann die erst hat ein schwartze / die ander aber ein weisse wurtzel. Es ist aber vil besser das man jren underscheyd neme von den blumen / die von yederman gesehen werde / auch dieweil sie noch im wasser steen / weder von den wurtzeln / die man nit sehen kan / biß sie außgegraben werden.
Die weiß Seeblum hat stengel die seind rund und glat / als die grossen weyher bintzen. Die bletter seind rund / gantz steiff als ein zäch leder / den Ephew blettern nit fast ungleich / schwimmen auff dem wasser / ettlich auch under dem wasser / unnd kommen alle von einer wurtzel. Sein blum ist weiß / wie ein schöne weisse gefüllte Lilg / und haben ettlich derselbigen xxvi. ettlich xxviii. mehr oder minder bletter. Ein yedes derselben gefüllten blettern ist gestalt als ein daumenfinger / oder wie die feyßten bletter an der gemeinen grossen Haußwurtzel. Inwendig einer yeden blumen findt man ein schöne goldgeele sonnen mit vilen geelen zaseln. Sölche blumen ehe das sie sich auffthun / seind lange knöpff / als des Magsamens gestalt / mit braungrünen blettern verschlossen. Als bald sie herauß schlieffen erscheinen dise gefüllte blumen mit den geelen butzen als schöne gemalte sonnen / die seind on allen geruch. Nach abfallung der weissen blettern / werden Magsamen köpff darauß / mit samen außgefüllt / der ist schwartz / breyt und zäch. Die wurtzel ist schwartz / rauch / knöpffecht / etwan arms dick / mit vilen zaseln. Die geele Seeblum ist der weissen mit blettern und stengeln etwas gleich. Die wurtzel weiß / rauch / und knöpffecht. Jre blumen seind gantz tottergeel / glitzend / den rosen nit onänlich / nit so groß als die weissen. Die zugeschlossene knöpff / ehe das sie auffbrechen zur blust / erscheinen gantz rund / mit grünen blettern überzogen."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)