"Senecio saracenicus
Wenn auch dieses Gewächs in jetzigen Zeiten nicht mehr zu den gebräuchlichen Arzneygewächsen gerechnet wird, so ist es doch ehedem, wie auch seine deutschen Nahmen dies beweisen, als Wundmittel, so wie die Solidago virgaurea, bekannt gewesen. Ehrhart hat es auch in seinem Verzeichnisse der in europäischen Apotheken befindlichen Pflanzen mit aufgeführt, so wie auch seine Plantae officinales dasselbe enthalten. Die ähnlichen und gleichen Nahmen beider Gewächse, die von ihren Heilkräften hergenommen sind, haben auch wohl Veranlassung zu ihrer Verwechselung gegeben. Man wird aber nicht leicht Senecio saracenicus mit Solidago Virgaurea verwechseln, wenn man darauf achtet, dass bey ersterm: 1) die Wurzel kriechend ist; 2) der Stengel vier bis fünf Fuß hoch wird; 3) die Blätter scharf und eng sägenartig, nicht fast stumpf und weitläufig sägenartig sind; 4) die viel größern Blumen an der Spitze des Stengels eine Doldentraube bilden; 5) der Kelch, gekelcht ist; 6) die Schuppen desselben an der Spitze brandig sind; und 7) endlich die Narben der zwitterlichen Blümchen, so wie die der weiblichen, zurückgerollt, nicht aber gegeneinandergeneigt sind. Auf gleiche Weise unterscheiden sich auch von der Solidago virgaurea die mit Senecio saracinicus verwandten Arten, nämlich Senecio ovatus und nemorensis , wenn man das von der Wurzel hergenommene Untersuchungszeichen ausnimmt, wodurch beide, da sie keine kriechende Wurzel haben, von der Senecio saracenicus verschieden sich zeigen. Überdies sind bey Senecio ovatus die Blätter eyrund und bey Senecio nemorensis an der einen Seite der Basis verschmälert an der andern erweitert; also bey keiner dieser beiden Arten an der Basis vollkommen keilförmig wie bey Senecio saracenicus."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)

"Senecio vulgaris
Wenn diese Pflanze auf salzigem Boden vorkommt, so verändert sie sich auffallend. Ihre Blätter werden mehr fleischig, wie von Safte strotzend und dabey glänzend; und ihre Blumen sind nicht mehr bloß übergebogen, sondern überhängend, indem schon die einzelnen kleinen Doldentrauben übergebogen erscheinen. In diesem veränderten Zustande zeigt sie so viel Eigenthümliches, dass man verleitet werden könnte, sie für eine eigne Art zu halten.
Ehemals sammelte man von dieser Pflanze das Kraut, Herba Senecionis , welches aber schon lange nicht mehr im Gebrauche ist. Es ist völlig geruchlos, und von Geschmack bloß krautartig und sehr wenig salzig. Innerlich hat man den Saft als ein wurmtreibendes Mittel gebraucht , und äußerlich wendete man das zerquetschte Kraut als erweichend und die Eiterung befördernd bey Geschwüren an, so wie auch gegen Milchknoten, bey Hämorrhoiden und bey der Gicht, wo man es entweder in Milch kochte oder in Butter bratete."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)