"Sant Jacobs blum nent man diß kraut darumb / das umb S. Jacobs tag in der besten blust gefunden würdt. Ob aber sölchs gewechß den alten sey bekant gewesen / kan ich diser zeit nit wissen.
S. Jacobs blum ist ein kraut mit einem langen braunen stengel wie des Beyfuß / die haben vil holkelen / und seind mit vilen neben ästlin besetzt. Im ersten jar stoßt sie keinen stengel. Die bletter seind zerspallten und vilfeltig außgeschnitten / wie an dem zamen weissen Senff / oder Creützwurtz. Auff den ästlin wachsen vil geeler gestirnter blumen / wie der Chamillen / die werden nach der zeitigung zu grawem wollechten samen / fliegen darvon / wie an der Creützwurtz. Die wurtzel ist weiß und zasecht / wie der Wegerich kreüter.
S. Jacobs blum wechßt allenthalben an den rheynen der äckern / bey den wasser gestaden / und auff ungebawten sandigen und herten orten.
Diß gewechß blüet im Hewmonat unnd Augstmonat / aber am lustigsten umb S. Jacobs tag / wie vormals angezeygt ist.
S. Jacobs blum oder kraut ist warmer und truckner natur / wie sölchs der geschmack desselbigen / welcher bitter ist unn zusamen zeücht / klärlich außweißt.
Diß kraut mit seinen geelen blumen würdt gebraucht zur heylung der wunden / und alten schäden / deßgleichen zu den fisteln / dann es verhinderts das sie nit weiter umb sich fressen. Man mag aber das kraut grün zerstossen und überlegen / oder aber gedörrt vorhin zu pulver stossen / und in die wunden und schäden strewen. Darumb dieweil es ein wundkraut ist / sollens die wundärtzt hoch in eeren haben."
"Senecio vulgaris: Die bletter und blumen mit wenig wein oder allein zerstossen / und übergelegt / heylen unnd zerteylen die hitzigen geschwulst der gemechten / unnd des hinderns. Mit Weyrauch pulver vermischt / heylen sie allerley wunden / auch der flachßadern. Gleiche krafft hat der wollecht samen mit essig angestrichen und auffgelegt. Doch sol derselbig nit in den leib genommen werden / dann er erwürgt. Das gantz kraut mit wasser gesotten / und mit süssem wein getruncken / legt den schmertzen des magens / so von der gallen entstanden ist. Der safft der Grindkreüter getruncken / stillt das blut speien / tödt die würm / und ist bequemlich den lebersüchtigen. Die woll mit saltz vermengt unnd warm übergelegt / vertreibt die kröpff."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)
"Heydnisch Wundkraut würt zu unsern zeiten Lateinisch Solidago Sarracenica / Consolida Sarracenica / und Herba fortis oder sortis geheyssen. Auß was ursachen aber ihm sölche namen seyen gegeben worden / haben wir im Latein gnugsam angezeygt. Wie es bey den alten geheyssen worden / ist mir nit wissend. Ich acht sie habends nit erkant / wie auch ettlich ander kreüter so erst von den nachkommen erfunden seind. Es ist nit Ceratophylar / wie ettlich vermeynen / ursachen haben wir am yetzgemellten ort angezeygt.
Heydnisch Wundkraut hatt einen runden braunfarben holen stengel / der wechßt etwan mannß hoch / unnd ist bekleydet mit langen / zu ringßumbher zerkerfften Weiden blettern. Am gipffel der stengel bringt diß gewechß seine bleychgeele gestirnte blumen / die fliegen nach der zeitigung hinweg / wie der Creützwurtz. Die wurtzel an disem kraut ist zasecht / und außwendig rotlecht.
Heydnisch Wundkraut würt in finstern und dunckeln wälden / und hohen bergen gefunden / sonderlich wo es feücht steet / und nit vil sonnen hat.
Blüet im Augstmonat fürnemlich.
Das Heydnisch Wundkraut ist ein wenig bitter / unnd zeücht zusamen / darumb jr natur gantz trucken ist / unnd heylet seer allerley wunden / wie wir hernach weiter wöllen anzeygen.
Heydnisch Wundkraut / wie der nam anzeygt / heylet allerley wunden und geschwär. Darumb grün zerstossen unn übergelegt / macht es erstlich fleysch / darnach heylts zusamen. Gedörrt / gepulvert / unnd in die frischen und alten wunden / auch in die fistel gestrewet / reyniget sie zum ersten / und heylts darnach gar schnell und bald. Mag in aller gestalt gebraucht werden wie Sanickel / Walwurtz / und Garb."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)
"Grindkraut würt von den Griechen Erigeron / von den Lateinischen Senetio geheyssen auß diser ursach / dann es im anfang des Lentzen so wol verblüet hat als mitten inn der ernd / unnd bringt mit sich ein grawe oder weisse wollen / die ist gleich dem grawen haar der allten menschen / wie wir sölchs weitleüffiger in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeygt.
Des Grindkrauts findt man zweyerley geschlecht. Eins ist seer gemein unn nit hoch. Das ander aber groß / und eins lieblichen geruchs. Darumb das erst gemein Grindkraut soll genent werden / das ander aber groß Grindkraut.
Gemein Grindkraut hat einen braunroten stengel / an welchem wachsen bletter die seind ringßumbher zerschnitten als der zam weiß Senff / doch nit so tieff zerkerfft. An den gipffeln des stengels wachsen geele knöpffechte blumen die werden seer bald zu grawem harechten samen / der fleügt darvon. Die wurtzel ist lang und zasecht / doch on allen nutz und gebrauch. Das groß Grindkraut ist mit seinem stengel / schartechten unn zerkerfften blettern / geelen knöpffechten blumen / und wollechten fliegenden samen / dem gemeinen aller ding gleich / außgenommen das es grösser / lenger / unn höher ist / die bletter breyter / äschenfarb / und eins lieblichen geruchs.
Das erst geschlecht des Grindkrauts findt man allenthalben in den zwibel und krautgärten / auch bey den zeünen und mauren. Das ander geschlecht würdt aber nit allenthalben gefunden / sonder auff den allten mauren / ettwan auff gantz sandigen wegstrassen.
Das gemein Grindkraut würt beynach über jar gefunden. Dann im anfang des Lentzen ist es grün / blüet / unnd gewindt seinen wollechten samen. Ist diser gestalt nach den gantzen summer biß in den kallten winter zufinden.
Die Grindkreüter haben ein vermischte natur und complexion / dann sie külen und verzeren mittelmässig.
Die bletter und blumen mit wenig wein oder allein zerstossen / und übergelegt / heylen unnd zerteylen die hitzigen geschwulst der gemechten / unnd des hinderns. Mit Weyrauch pulver vermischt / heylen sie allerley wunden / auch der flachßadern. Gleiche krafft hat der wollecht samen mit essig angestrichen und auffgelegt. Doch sol derselbig nit in den leib genommen werden / dann er erwürgt. Das gantz kraut mit wasser gesotten / und mit süssem wein getruncken / legt den schmertzen des magens / so von der gallen entstanden ist. Der safft der Grindkreüter getruncken / stillt das blut speien / tödt die würm / und ist bequemlich den lebersüchtigen. Die woll mit saltz vermengt unnd warm übergelegt / vertreibt die kröpff."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)