"Der Granatbaum, Punica Granatum L. hat mit der Myrte gleiches Vaterland, doch ist er weniger zärtlich als diese , indem er nach Theophrasts Zeugnis gerade an denjenigen Orten noch fortkommt, an denen , wie oben bemerkt wurde , die Myrte nicht mehr gezogen werden kann. In Cypern pflanzte, wie die Griechen fabeln, Venus den ersten Granatbaum. Die Römer nannten die Frucht des Baums den punischen Apfel, weil die besten Granaten aus Karthago kamen. Auf Tmolos und dem mysischen Olymp wachsen, wie Theophrast berichtet, eine Menge Granaten; seltner oder gar nicht kommen sie auf dem Ida und in Macedonien vor.
Es gibt mehrere Varietäten des Granatbaums, die sich vorzüglich durch die Beschaffenheit der Früchte unterscheiden , wie denn auch schon die Hippokratiker die süße und saure Granate nennen.
Im allgemeinen wird von den Früchten gesagt: der Saft der süßen Granate führe ab, habe aber etwas erhitzendes , weniger sey dies bei den mit weinigem Safte der Fall, die sauren erkälteten. Die Samen aber aller ohne Unterschied verstopften . Der Granatapfel heißt es an einem andern Orte, stärkt die Kräfte und begünstigt den Schleim. Mit dem Saamen stopft er, ohne denselben ist er eröffnend . Die Blätter brauchte man zu Cataplas bei Entzündungen und Geschwülsten , ferner in Verbindung mit Rhus coriaria und Galläpfel gegen den weißen Fluss . Den Saft der Früchte gab man bei Pleuritis statt Honig , auch bei andern Brustkrankheiten mit Honig und Ziegenmilch gemischt . Der Saft der sauren und süßen Granate diente als ein brechenstillendes Mittel . Jenen der süßen Früchte rauchte man zur Extraktkonsistenz in einem kupfernen Geschirre ab , oder wie der hippokratische Schriftsteller sich ausdrückt , bis er shwarz, gleich Pech, ist. Diesen eingedickten Saft benutzte man bei Augenentzündungen.
Die Rinde der Früchte , wird ungemein oft in den hippokratischen Büchern genannt, sie ist bedeutend adstringirend und wurde äußerlich bei Vorfällen des Uterus, besonders im Dekokt mit Wein zu Bähungen angewendet . Bei Diarrhöen gab man die Rinde der süßen Früchte mit Wein gekocht , wozu Oehl und Weihrauch gemischt wurde . Die Kerne der Frucht werden auch bisweilen genannt, und besonders zerstoßen mit Wein angewendet."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)