"Punica granatum
"Punica Granatum gehört mit zu den Gewächsen, die schon in den frühesten Zeiten bekannt und sehr
geschätzt waren. Der Granatapfel wurde zu den edlem Früchten Ägyptens und des
gelobten Laudes gerechnet, man benutzte den Saft desselben zu Most, ja man verglich sogar die Reize der Geliebten mit ihm.
ln den Arzneyvorrath sind schon von frührer Zeit her die Blumen, und zwar die gefüllten, Flores Granatorum
s. Balaustiorum, und die Rinde der Früchte, Cortex Granatorurn s. Malicorium, aufgenommen
worden, und in neurer Zeit auch die Rinde der Wurzel, Cortex radicum Granati. ...
Alle hier genannte Theile des Granatbaums sind adstringirend , worauf denn auch ihre therapeutischen
Wirkungen beruhen. Die Blumen werden äußerlich, im Aufgusse oder in der Abkochung, als Mundwasser
und auch zu adstringirenden Waschungen verschrieben, und innerlich bey chronischen Diarrhöen als Ptisane
gebraucht, oder auch in Form des Klystiers angewendet. Die Rinde der Frucht hat man im Wechselfieber
empfohlen; und die der Wurzel, deren Anwendung wider den Bandwurm in Indien schon sehr lange Statt gefunden
hatte, wurde erst in neurer Zeit durch Fleming’s Aufsatz über die in Indien gebräuchlichen Arzneygewächse
bey uns bekannt, und ist seitdem wieder dieses Übel meist mit
dem besten Erfolg gegeben worden. ...
ln Rücksicht der Frucht, oder vielmehr des in den Samendecken
derselben enthaltenen säuerlich -süßen Saftes, der in den wärmern Gegenden als ein erquickendes
Mittel genossen wird, muss ich noch hinzufügen, dass mir derselbe bey der Untersuchung dieser Frucht die
Fingerspitzen faltig zusammenschrumpfte; und es scheint daher, dass man die wurmwidrige Eigenschaft bey
diesem Gewächs vorzüglich in dem Gerbestoffe und der Gallussäure suchen müsse."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zehnter Band. 1827)