Gnadenkraut, Gratiola, besonders in den gemäßigten Zonen anzutreffende Gattung der Braunwurzgewächse mit etwa 20 Arten. In Mitteleuropa heimisch ist allein das Gottes-Gnadenkraut (Gratiola officinalis), eine ausdauernde, bis ca. 50 cm hohe Staude mit kriechendem Rhizom und gegenständigen, lanzettlichen, halbstengelumfassend sitzenden, scharf gesägten Blättern. Die langgestielten Blüten stehen einzeln in den Blattachseln und besitzen eine 2lippige, trichterförmige Krone mit gelbem Schlund und 5spaltigem, weißem, rotgeädertem Saum. Die Frucht ist eine vielsamige, eiförmig-zugespitzte Kapsel. Standort dieser in Deutschland vom Aussterben bedrohten Pflanze sind Sumpf- und Moorwiesen, nasse Mulden und Gräben. Gnadenkraut enthält neben etherischem Öl Bitter- und Gerbstoffe, Saponine, Alkaloide und Glykoside (u.a. Gratiolin, Gratiosid, Elaterinid und Desacetylelaterinid sowie Gratiotoxin). Hauptwirkstoffe sind Cucurbitacine, insbesondere das Cucurbitacinglykosid Elatericid. Gnadenkraut wirkt örtlich reizend und, nach Verzehr, zunächst zentral erregend, dann lähmend. Vergiftungserscheinungen: Erbrechen und blutige Durchfälle, Krämpfe, Reizungen der Nieren und Harnwege sowie Störung von Herztätigkeit und Atmung bis hin zum tödlichen Kollaps durch Atemlähmung. Trotz seiner starken Giftigkeit wurde das scharf und bitter schmeckende Gnadenkraut früher als Heilpflanze verwendet.