"Ächtes Purgierkraut, Gnadenkraut, Gichtkraut, Niesekraut, Armenmannskraut, Gottesgnade, Gotteshülfe, Erdgalle, Heckenysop, kleiner Bergsanikel, weißer Aurin, wilder Aurin.
Wächst in ganz Deutschland, Dänemark und Frankreich auf feuchten Wiesen, und an den Ufern der Flüsse und Seen.
Blühet im Julius und August.
In den Apotheken sammelt man von diesem Gewächs, noch ehe die Blumen desselben sich entwickeln, das Kraut unter dem Nahmen Herba Gratiolae s. Gratiae Dei.
Es soll nicht selten mit der Gratiola officinalis die Scutellaria galericulata verwechselt werden, was auch wohl Statt haben kann, da beyde Pflanzen vor dem Blühen, besonders dem, der nicht genug Botaniker ist, einige Ähnlichkeiten zeigen; wenn man aber meynt, daß auch die Veronica scutellata oder wohl gar die Viola tricolor parviflora mit ihr verwechselt werden kann: dann ist es gewiß keine leichte Aufgabe, diejenigen, denen eine solche Verwechslung möglich ist, zurecht zu weisen, oder sie vor ähnlichen Verwechslungen zu sichern.
Es gehört dieses Kraut mit zu den drastischen Purgier- und Brechmitteln und ist in allen den Krankheiten anzuwenden, wo diese gegeben werden können. Man hat es ehedem wider Würmer und in der Bauchwassersucht als ein sehr kräftiges Mittel gerühmt. Sein Gebrauch erfordert zwar Vorsicht; aber man sollte es doch nicht so ganz in Vergessenheit kommen lassen, besonders da man jetzt, bey den theuern fremden Mitteln, um so mehr Ursache hat, auf die Anwendung der einheimischen bedacht zu seyn."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dritter Band. 1815.)