"Die winter Violen haben jhren namen daher / das sie den winter wol leiden mögen / unnd zu derselbigen zeit nit erfrieren. Sie mögen frawen oder jungfrawe Violen genent werden / darumb das sie die frawen und jungfrawen in gärten zilen / dann daher haben sie jhren Lateinischen namen / und werden Matronales genent.
Diser winter oder frawen Violen findt man gemeinlich drey geschlecht / dann ettlich seind gantz weiß / die andern leibfarb / die dritten purpurbraun / unn haben zwar keinen underscheyd dann in den blumen.
Die winter Violen haben einen runden / rauhen oder harigen stengel / elenbogens hoch / mit vilen zweigen. Die bletter seind harig unnd rauch / langlecht / schmal / weych / unn äschenfarb wie die bletter am Wollkraut. Die blumen seind schneeweiß / leibfarb / oder purpurbraun / ein yede Veiel mit vier blettlin. So sie verblüet haben / werden darauß lange / schmale / und runde schäflin / darinn ist das rund breyt sämlin. Die wurtzel ist lang / holtzecht / weiß / und scharpff.
Die winter Violen pflantzt man in gärten / wachsen nit von sich selbs.
Blüen im Hewmonat und Augstmonat / und bringen alßdann jhre schäflin.
Die winter Violen seind warm / und ettlicher maß feücht / wie man klärlich auß dem geschmack kan abnemen / und wir sölchs in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeygt.
Die winter Violen zerteylen die groben feüchtigkeyten / unnd verzeren folgends dieselbigen. Derhalben die bletter oder wurtzel in wasser gesotten unnd getruncken / seind nützlich und hilfreich denen so schwärlich athmen / und lange zeit gehustet haben. Sie bringen den weibern jhre zeit / treiben den harn / unnd bringen schweyß."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)