"Der Salat [Lactuca sativa L.] gehört mit zu denjenigen Pflanzen, die von den ältesten Zeiten her cultivirt werden , und deren wahres Vaterland schwer auszumitteln ist. Die Alten kannten schon mehrere Varietäten des Salats, eine rothe Abart, die unser rother Bindsalat oder rother Bolognesersalat sein könnte nennen die Hippokratiker. Es scheint als ob die Alten sowohl die Stengel als die Blätter gegessen hätten, denn Diphilus von Siphnos bemerkt, der Stengel nähre gut, werde aber schwer verdaut, die Blätter aber seyen leichter verdaulich. Glaukias zieht den gekochten Salat allen übrigen Gemüsearten vor. Mit Salat beschlossen die alten Griechen ihre Mahlzeiten; späterhin trug man ihn gleich anfangs auf.
Die narkotischen Kräfte des Salats waren im Alterthume nicht unbekannt , auch schrieb man ihm die Kraft zu , den Trieb zum Beischlafe mindern zu können, daher ihn die Pythagoräer Eunuchion nennen. Cratevas , der berühmteste unter den Rhizotomen Griechenlands , empfiehlt den Saft gegen die Wassersucht.
Die Hippokratiker sehen den Salat als eine sehr kühlende Speise an , welche den Körper einigermaßen schwäche . Bei Verbrennungen gebrauchte man den rothen Salat als ein schmerzstillendes Mittel. Bei gewissen Weiberkrankheiten wird angerathen, den Samen des Salats mit Gänsefett zu essen."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)