Glaskraut, Parietaria, in den gemäßigten und subtropischen Zonen Europas und Asiens verbreitete Gattung der Brennesselgewächse mit etwa 30 Arten. Ein- oder mehrjährige, meist behaarte Kräuter ohne Brennhaare mit wechselständigen, ganzrandigen Blättern und unscheinbaren, knäuelig gebüschelt in den Blattachseln stehenden, grünlichen, 4zähligen Blüten. Die Frucht ist eine eiförmige, glänzende Nuß. In Mitteleuropa wachsen 2 im Mittelmeerraum heimische Arten als Neophyten.
Das Ästige Glaskraut (Parietaria ramiflora) ist eine ausdauernde, bis 30 cm hohe, niederliegende, reich verzweigte Staude mit rötlichem Stengel, eiförmig-rundlichen, glasartig glänzenden Blättern und diözischen Blüten (Diözie). Das ihm sehr ähnliche Aufrechte Glaskraut (Parietaria erecta oder Parietaria officinalis) hat einen einfachen, aufrechten Stengel sowie große, eiförmig-lanzettliche Blätter. Beide Arten sind selten; Parietaria ramiflora gilt als wärmeliebende Mauerfugenpflanze (Parietarietea judaicae; Mauerfugengesellschaften), während Parietaria erecta auch im Saum von Auengebüschen und in Auwaldlichtungen zu finden ist. Es gilt in der Volksmedizin als Diuretikum; neben Gerbstoff enthält es einen noch nicht erforschten Bitterstoff und relativ viel Kaliumnitrat. Der deutsche Name bezieht sich auf die glasig durchscheinenden und glänzenden Blätter und Stengel bzw. auf die Verwendung als Glasputzmittel.