"Das kraut so wir Tag und nacht nennen / würdt auch von ettlichen Sant Peters kraut / und Glaßkraut geheyssen. Auff Griechisch würdt es Helxine und Perdicion genent. Auff Lateinisch Helxine unnd Urceolaris. Ettlich nennen es Parietariam / die Apotecker Paritariam. Würdt auch Muralis geheyssen / das ist / Maurkraut / darumb das es gern bey den mauren wechst. Glaßkraut aber ist es genent derhalben / das man die gläser hüpsch und sauber mit disem kraut macht. Ursachen der andern namen findt man inn meinem Lateinischen kreüterbuch.
Tag unnd nacht hat einen zarten / rotlechten / oder braunen stengel. Bletter die seind dem Bingelkraut gleich / doch nit zu ringßumbher zerkerfft / harig und rauch. Seine blümlin seind seer klein und purpurbraun. Der sam ist schwartz / unnd gar klein / in kleinen rauhen scharpffen heüßlin die sich an die kleyder hencken / bewaret. Die wurtzel ist rotlecht / und mit vilen zaseln.
Tag und nacht wechst gern bey den zeünen / mauren / und wenden. Würdt auch in vilen gärten gepflantzt.
Blüet im Hewmonat am fürnemlichsten.
Tag unnd nacht seubert / reyniget / zeücht zusamen / mit einer kallten feüchtigkeyt.
Tag unnd nacht / wie yetzund angezeygt ist / reyniget oder seubert / zeücht ein wenig zusamen / und kült. Darumb wann mans überlegt / so heylet es das rotlauffen / den brandt / und alle hitzige geschwär. Der safft darvon mit Bleyweiß vermengt / ist ein köstliche salb zu den yetzgemellten bresten. Heylet auch alle fressende schäden / flechten / zittermäler unnd dergleichen / so sie darumb gestrichen würdt. Gedachter safft mit bocks unschlitt vermengt und übergelegt / miltert die weetagen des Podagrams. Das kraut gesotten und getruncken / stillt und legt das langwirig husten. Ein gurgelwasser auß dem safft gemacht / heylet die hitzigen geschwollnen mandeln. Der safft mit rosenöl vermengt inn die ohren gethon / legt jhren weetagen. In summa / Tag unnd nacht soll man eüsserlich überlegen unnd brauchen in den hitzigen gebresten allein. Dieweil es aber auch seubert / mag mans auch geben denen so den stein haben / unnd nicht leichtlich harnen künden. Und alßdann ist gut unnd nützlich / das man jhm ettwas zusetz / das auch den stein unnd harn treiben kan / als do ist Peterlin / Fenchel / Liebstöckel / Haselwurtz / unnd dergleichen. Also mag man auch eüsserlich das kraut brauchen mit Brunnkressen in wein gesotten / und warm über die blasen legen / alßdann treibt es den harn krefftiglich."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)