"Ginsengwurzel: Stammpflanze der Droge ist Panax ginseng, eine mehrjährige Staudenpflanze, die in den Bergwäldern der Mandschurei und Nordkoreas wild vorkommt. Die in Europa angebotene Handelsware stammt ausschließlich aus Kulturen, Hauptproduzent ist Südkorea. Von der Aussaat der Samen bis zur Ernte der Wurzeln liegt ein Zeitraum von 4-6 Jahren. Die Wurzeln sind dann 8 bis max. 20 cm lang und etwa 2 cm dick und weisen Verzweigungen auf. Zur Gewinnung der Ganzdroge werden die dünneren Enden von Haupt- und Nebenwurzeln abgeschnitten. Die abgeschnittenen Teile bilden als "slender tails" ein eigenes Handelsprodukt.
Abhängig von der Art der Drogenverarbeitung nach der Ernte unterscheidet man Weißen und Roten Ginseng. Weißer Ginseng: Die frisch geernteten Wurzeln werden gewaschen und die Nebenwurzeln entfernt; nach dem Abschaben und einem Bleichprozess mit SO2 erfolgt Trocknen an der Sonne oder auch künstlich bei 100-200°C; bei der Prozedur gehen die äußeren, dunkel gefärbten Schichten des Korkgewebes verloren; oft bringt man durch Abbinden und Biegen die Wurzeln in puppenähnliche Formen; eine Wurzel wiegt etwa 8-10g. - Roter Ginseng: Bei dieser Zubereitung handelt es sich um eine traditionelle, empirisch gefundene Konservierungsmethode; die geernteten Wurzeln werden noch frisch mit Wasserdampf von 120-130°C zwei bis drei Stunden lang behandelt und danach getrocknet; dadurch erhalten sie ein glasiges, rötliches Aussehen.
Ginsengwurzel riecht schwach, aber charakteristisch erdig. Sie schmeckt anfangs bitter, dann süßlich und etwas schleimig. Für die pharmakologischen Wirkungen der Ginseng-Extrakte sind weitgehend die Ginsenoside verantwortlich. Diese sind auch ein Maß für die Qualität der pharmazeutischen Fertigarzneimittel. Für die quantitative Bestimmung der Ginsenoside stehen eine Reihe von Methoden zur Verfügung."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Ginsengsaponine: Die Saponine aus der Wurzel von Panax ginseng basieren, ihrem chemischen Aufbau nach, auf dem Dammarenol, einem tetrazyklischen Triterpen. Sie werden als Ginsenoside bezeichnet und zeigen nur sehr schwach ausgeprägte Hämolysewirkung. Ihre Toxizität ist sehr gering, in Tierversuchen gab es keine Hinweise auf pathologische Veränderugen. Die Pharmakokinese der Ginsenoside ist nur unzureichend geklärt: weder die unveränderten Substanzen, noch ihre Metabolite gelangen über die Blut-Hirn-Schranke hinaus ins ZNS.
Ginsenosid-Monopräparate stehen zur therapeutischen Verwendung nicht zur Verfügung. Anwendungsgebiete: zur Erleichterung des körperlichen Trainings, als mildes Stimulans zur Bewältigung von belastenden Situationen, die mit geistiger Anpassung verknüpft sind, zur Verminderung der Anfälligkeit gegen banale Infekte möglichst in Verbindung mit körperlicher Abhärtung. Es sind nur protektive, keine kurativen Effekte zu erwarten, daher ist die Droge zur Behandlung von organischen Krankheiten nicht geeignet.
Die gleichzeitige Anwendung von KOffein enthaltenden Genussmitteln ist nach den Erfahrungen der TCM eine Gegenindikation. In Ostasien ist bekannt, dass Personen mit hohem Blutdruck Ginseng schlecht vertragen.
Anwendung: Roter Ginseng wird in Europa als Spissumextrakt oder als Instanttee angeboten. Für die meisten auf dem Markt befindlichen Fertigarzneimittel ist weißer Ginseng das Ausgangsmaterial. Feinpulverisierte Droge wird direkt zu Kapseln und Dragees verarbeitet. Spissum- und Fluidumextrakte eignen sich zur Herstellung von Ginsengwein und anderen Alkohol enthaltenden Tonika."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)